Stein-Säckingen
Aktualisiert am 22.02.12, um 10:14 von Walter Christen
 

Asbest-Alarm bei den SBB: Geisterzüge stehen auch in Stein-Säckingen

Quelle: az
Geisterzüge in Stein-Säckingen - Hier waren Sprayer am Werk Quelle: Walter Christen
Mindestens einer der 15 Personenwagen, welche am Bahnhof Stein-Säckingen auf die Verschrottung warten, darf keinesfalls betreten werden. Er könnte asbesthaltige Materialien enthalten. von Walter Christen
 

Die Verschrottung von ausrangierten SBB-Waggons gibt immer wieder zu reden und sorgt für Schlagzeilen. Jüngste Beispiele aus Bellinzona und Olten, wo beim Abwracken von Wagen Asbestspuren entdeckt wurden, belegen dies.

Es sind aber nicht nur Arbeiter, die sich der Gefahr aussetzen. Auch Sprayer leben gefährlich, wenn sie nachts beim Anbringen ihrer Graffitis auf altem Rollmaterial zwischendurch Eisenbahnwagen betreten, die asbestverseucht sind.

Gitter und Warnhinweise

Solche Geisterzüge stehen zum Beispiel auf Abstellgleisen im Bahnhof Stein-Säckingen. Mindestens einer der 15 Personenwagen, welche dort auf die Verschrottung warten, darf keinesfalls betreten werden. Es handelt sich um ein älteres Modell. Die Fenster sind vergittert und die Türen mit Warnhinweisen gepflastert: „Zutritt verboten! Dieser Wagen enthält Asbest! Decken sind teilweise geöffnet!" Und da ist genau die heikle Stelle, denn die Decken mancher Wagen sind früher mit asbesthaltiger Dämmung ausgestattet worden.

Wer sich in Bahnwagen aufhält, die zum Abbruch bestimmt sind, setzt seine Gesundheit dann aufs Spiel, wenn an asbesthaltigen Teilen gearbeitet wird. Denn durch Bohren, Fräsen und Schleifen freigesetzter Asbeststaub ist gefährlich.

Asbestzüge als Jugendtreff?

Die zur Verschrottung bereiten Waggons sind ein Thema. Wie steht es aber mit Bahnwagen, die zwar ausgemustert sind, aber immer noch im Einsatz sind als Schnellimbiss, Vereinslokal oder Jungendtreff? Ein solches Beispiel gibt es in Laufenburg, wo die Grenzüberschreitende Jugendarbeit im August 2006 von den SBB einen ausgedienten Gepäckwagen übernehmen konnte, der jetzt in Laufenburg Baden auf einem Schulhausplatz steht. Die Jugendlichen bauten das Innere des Waggons um, isolierten den Boden und verlegten Laminat, bohrten an den Türen Löcher und setzten neue Schlösser ein. Ausserdem wurde der Wagen frisch gestrichen.

Jugendleiter Balder Wentzel erinnert sich: „Dieser SBB-Wagen stammt aus den frühen 1970er-Jahren, und Asbest war ein Thema. Wir haben uns deswegen erkundigt, bevor wir den Post- beziehungsweise Packwagen - übrigens mit eingebauter Gefängniszelle - übernahmen. Uns wurde versichert, dass der Gepäckwagen asbestfrei sei. Von diesem Typ sind übrigens immer noch Exemplare im Verkehr; so habe ich persönlich schon welche auf Bahnstrecken im Tessin gesehen." So weit also Entwarnung für den Jugendtreff im Eisenbahnwagen. Nicht aber für die Geisterzüge am Bahnhof Stein-Säckingen, wo den anonymen Sprayern dringend davor abgeraten wird, sich im Bereich des alten Rollmaterials aufzuhalten.

 

 

(az)
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