Die Stadt habe den beiden Geissenbetreuerinnen als Tierpflegerinnen «fristlos gekündigt», empört sich Ruedi Müller, der Partner der Tierpflegerin Esther Senn. Senn und Müller hatten im Februar Auseinandersetzungen um die Haltung der Rheinfelder Stadtgeissen ins Rollen gebracht.

Weil die beiden Frauen den «Tierquälerskandal» aufgedeckt hätten, seien sie von der Geissenbetreuung entbunden worden, kritisiert Müller. Es handle sich um einen «Racheakt». Am städtischen Geissengehege sei sogleich ein Vorhängeschloss angebracht worden.

«Alles aus einer Hand»

Von fristlosen Kündigungen könne keine Rede sein, sagt dagegen der Rheinfelder Stadtschreiber Roger Erdin. Die Stadt habe Esther Senn und die andere Geissenbetreuerin für Unterhalts- und Reinigungsarbeiten im Stadtpark angestellt, wo die Zwergziegen bis zu ihrem Umzug in das Gehege an der Stadtmauer vor rund drei Jahren lebten.

Das Füttern der Geissen sei nur der kleinere Teil ihres Aufgabengebiets gewesen. Nach den Diskussionen in den vergangenen Monaten und den darauf vorgenommenen Analysen der Schwachstellen habe sich die Stadt entschieden, bei der Geissenbetreuung «alles aus einer Hand» erledigen zu lassen.

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Bisher sei die Nahrung von einem Mitarbeiter des Werkhofs angeliefert worden, und die Frauen hätten die Zwergziegen gefüttert. Jetzt habe die Stadt Werkhof-Angestellte mit der Fütterung betraut. Drei Mitarbeiter hätten eigens einen Kurs in der Forschungsstation für Ziegen und Zwergziegen im Schanfigg besucht. Die bisherigen Tierpflegerinnen behalten alle anderen Aufgaben, wie Erdin erklärt.

Es seien keine Kündigungen ausgesprochen oder Pensen gekürzt worden. «Es gibt auch keine Lohneinbusse, da die Mitarbeiterinnen andere Aufgaben im Umfeld des Stadtparks übernehmen können.»

«Die beiden Frauen haben während mehr als zehn Jahren sorgfältig, mit viel Freude und sehr grossen Kenntnissen die Geissen betreut», sagt Ruedi Müller. Die Stadt müsse sie sofort wieder als Tierpflegerinnen beschäftigen, fordert er. Das werde er gerichtlich verlangen, wenn die Stadt an ihrem Entscheid festhalte.

Er werde dann auch Strafanzeigen gegen alle Vorgesetzten der Geissenbetreuerinnen wegen Amtsmissbrauchs und Verletzung der Aufsichtspflicht einreichen. Müller plant auch eine Demonstration in den nächsten 14 Tagen. Nach einem Aufruf auf Facebook haben nach seinen Angaben mittlerweile 40 Leute zugesagt.

Müller hat Ende Februar bereits den als Geissenvater bekannten Werkhof-Mitarbeiter und den zuständigen Tierarzt wegen Tierquälerei angezeigt. Sein Vorwurf: Die Geissen erhielten seit Jahren zu wenig Futter. Drei erwachsene Tiere und vier Kitze seien verhungert. Der Geissenvater müsse abgesetzt werden, fordert er.

Ziegen-Expertin lobt die Stadt

Der von der Stadt beigezogene kantonale Veterinärdienst beurteilte die Haltung der Tiere als artgerecht und die Fütterung als «grundsätzlich in Ordnung». Mitte März untersuchte auch Marianne Brunner von der Forschungsstation für Ziegen und Zwergziegen die Stadtgeissen. Ihr Befund: Die Herde sei in einem «ordentlichen Zustand», und es seien gewisse Veränderungen an die Hand genommen worden.

Brunner zeigt sich heute zufrieden: «Die Stadt hat jeden Vorschlag aufgenommen, ja gar noch mehr zum Wohl der Zwergziegen unternommen.» Wie die Massnahmen umgesetzt werden, könne sie aus der Ferne nicht beurteilen.

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