SVP Widen
Aktualisiert am 22.02.12, um 09:33 von fabian hägler
 

Wider Gemeinderat fordert: «SVP muss sich entschuldigen»

Vreni Meuwly, Gemeindeammann von Widen
Gemeinderat zitiert den lokalen SVP-Präsidenten zur Aussprache. Die fremdenfeindlichen Sprüche, die bis Sonntagabend auf der Homepage des Wider SVP standen, für das Gremium inakzeptabel und «absolut verwerflich». von fabian hägler
 

Die Slogans, die bis Sonntagabend auf www.svp-widen.ch standen, lösen scharfe Reaktionen aus. So distanziert sich der Gemeinderat Widen «in aller Form von den rassistischen und ausländerfeindlichen Veröffentlichungen der SVP Widen auf ihrer Homepage». Inzwischen sind die Slogans gelöscht, die Website nicht mehr erreichbar.

Dennoch hält der Gemeinderat fest: «Solche Äusserungen sind absolut verwerflich.» In der Gemeinde gebe es «keine Probleme im Zusammenleben mit ausländischen Mitbewohnern, und bis zum heutigen Tag waren Rassismus und Ausländerfeindlichkeit auch nie ein Thema in Widen».

Gemeinderat will Entschuldigung

Gemeindeammann Vreni Meuwly ergänzt: «Wir haben Aldo Patriarca am Montagabend zur Gemeinderatssitzung zitiert und ihm dabei klar gesagt, dass der Gemeinderat eine Entschuldigung von der SVP erwartet.» Meuwly kann nicht beurteilen, ob die Publikation der Slogans ein Versehen war. Klar sei aber: «Die SVP muss sich entschuldigen.» Dies verlangt auch die Juso Freiamt, welche die SVP Widen auffordert, «sich umgehend bei allen Ausländerinnen und Ausländern zu entschuldigen».

Auch die Gewerkschaft Unia fordert, «dass sich die Ortssektion entschuldigt». Es sei offensichtlich, dass die SVP Widen «diese Beiträge nicht als Satire erkannt, sondern ernsthaft so gemeint» habe. Gleich argumentiert das Forum für die Integration der Migrantinnen und Migranten. Es fordert von SVP Schweiz und SVP Widen «eine sofortige öffentliche Entschuldigung bei türkischen und Ex-jugoslawischen Migrantengemeinschaften».

Imageschaden für die Gemeinde

Entschuldigen sollte sich die SVP Widen laut Juso Freiamt auch bei der Gemeinde, die «einen grossen Imageschaden» erlitten habe. Fabio Höhener, Co-Präsident der SP Mutschellen-Kelleramt, weist auf negative Folgen für die Gemeinde hin: «Widen wird in der öffentlichen Wahrnehmung als fremdenfeindlich und hinterwäldlerisch beschrieben», sagt er.

Gemeindeammann Vreni Meuwly sieht dies ähnlich. «Wir wären natürlich viel lieber mit positiven Meldungen über unsere Gemeinden in den Schlagzeilen», sagt sie. Meuwly hofft, die ganze Affäre rund um die SVP-Slogans werde von den Einwohnern «nicht zu ernst genommen».

SVP-Präsident leitet Schulpflege

Die Juso Freiamt fragt sich auch, ob SVP-Ortspräsident Aldo Patriarca in seinem Amt als Schulpflegepräsident noch tragbar sei. Für die ausländischen Schüler und Lehrpersonen sei das «ein untragbarer Affront».

Fabio Höhener, der mit Patriarca in der Schulpflege sitzt, erklärt: «Wir sind eine Kollegialbehörde, deshalb äussere ich mich nicht zu einzelnen Mitgliedern.» Höhener ergänzt, er sei sehr enttäuscht von den SVP-Slogans, «denn ich erlebe Aldo Patriarca in der Schulpflege als moderat, diskussionsfreudig und konstruktiv».

Aldo Patriarca war für die az Aargauer Zeitung auch gestern für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

(az Aargauer Zeitung)
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