Anouk, Nubia und Marshall toben in ihrer Voliere umher. Die Eichhörnchen springen in höchster Geschwindigkeit von Ast zu Ast, nicht einmal machen sie Halt – höchstens, um sich rasch eine Haselnuss zu greifen und dann weiterzuhüpfen. Es scheint, als wären sie und ihre neun Mitbewohner ganz aufgeregt, weil ihr Pflege-Mami den «Tierwelt»-Preis gewonnen hat.

«Ich freue mich sehr darüber. Es ist schön, dass die Jury, die aus Fachleuten besteht, meine Eichhörnchenstation als gute Sache empfindet», erzählt Andrea Turnell, welche die Station vor fünf Jahren ins Leben rief. Sie wurde von einem Bekannten von «Kleintiere Schweiz» für den Preis nominiert. Vor vier Wochen bekam sie einen Anruf vom Chefredaktor der Zeitschrift «Tierwelt»: «Er teilte mir mit, dass meine Eichhörnchenstation eines der vier Siegerprojekte ist.» Das Preisgeld von 5000 Franken kann Turnell sehr gut gebrauchen, sie möchte das Geld in eine neue Voliere investieren. «Ich bezahle alles für die Station aus eigener Tasche, so ein kleiner ‹Zustupf› kommt mir sehr gelegen», erklärt sie.

Eichhörnchen gefunden: Was tun?

Finder sollen möglichst rasch die Eichhörnchenstation kontaktieren. Dann muss sichergestellt werden, dass das Tier nicht unterkühlt ist. In einer Schachtel kann aus Tüchern ein warmes Nest für das Eichhörnchen geformt werden. Eine Wärmeflasche sorgt für die richtige Temperatur. Die Schachtel wird mit genügend Luftlöchern versehen und verschlossen, damit das Tier nicht zusätzlichem Stress ausgesetzt ist. Das Eichhörnchen darf nicht gefüttert werden, denn Produkte wie Kuhmilch schaden Wildtieren. Ist das Tier dehydriert, kann mit einer kleinen Spritze eine Nährlösung gefüttert werden. Die Lösung wird aus 5 dl abgekochtem Wasser, einem halben Teelöffel Salz und 3 Teelöffeln Traubenzucker hergestellt. (lis) Eichhörnchenstation Buttwil: 056 664 68 84 oder 079 465 16 94

 

«Das tut im Herzen weh.»

In diesem Jahr betreute Andrea Turnell schon 58 Eichhörnchen. «Die meisten werden verwaist oder verletzt bei uns abgegeben.» Die Waisenkinder verweilen zuerst in der Baby-Station im Haus, dort werden sie alle zwei bis drei Stunden gefüttert – auch nachts. Wenn sie dann auf feste Nahrung umgestiegen sind, kommen sie in die Aussenvoliere. Diese ist mit echten Tannen und Baumstämmen ausgestattet, wo die jungen Eichhörnchen ihre Kletterfertigkeiten zu perfektionieren lernen und sich langsam vom Menschen entwöhnen. «Dies ist für mich der härteste Schritt», sagt Turnell, «wenn ich die Kleinen von der Baby-Station in die Aussenvoliere umquartieren muss. Das ist die erste Ablösung.»

Nach der Zeit in der Aussenvoliere werden die Eichhörnchen in die Auswilderungsvoliere gebracht. Diese befindet sich direkt am Waldrand und ist dazu da, dass sich die Tiere, die nun vollends gesund sind, an die Waldgeräusche gewöhnen. «Ich merke, wann die Zeit gekommen ist, um sie ganz freizulassen», erklärt Turnell. «Das tut dann schon im Herzen weh.» Die Eichhörnchen bleiben im Durchschnitt zwei bis drei Monate bei ihr. «Ich weiss, dass sie in die Wildnis gehören. Das macht die Trennung für mich leichter», sagt sie. Doch nicht von allen Eichhörnchen muss sie sich trennen: Jene, die ein Handicap haben, bleiben ganz bei ihr. «Im Moment habe ich fünf Dauergäste, die nicht ausgewildert werden.»

Zweite Chance für Eichhörnchen

Andrea Turnell hat schon sehr viele schöne Erfahrungen mit ihrer Eichhörnchenstation gemacht. «Einmal fand eine 70-jährige Dame in Basel ein verwaistes Eichhörnchen. Sie nahm die lange Strecke mit dem Zug auf sich und übergab mir hier das Junge. Wir blieben noch lange in Kontakt», erinnert sie sich. Es sei eine Art Bestimmung für sie, den Eichhörnchen eine zweite Chance zu geben: «Sie sind einfach meine Leidenschaft.»