Merenschwand
Aktualisiert am 07.12.11, um 13:45 von Andrea Weibel
 

Szenart wandert erneut in den Fussstapfen der alten Freiämter

Leute von Szenart spielen den Sturm von Merenschwand nach Aarau nach

Die Theatergruppe Szenart aus Aarau ist vor einem Jahr als Erinnerung an den Freiämtersturm von 1830 von Merenschwand nach Aarau gewandert und hat, wie die Freiämter damals, Anfragen an die Regierung gestellt. Jetzt, ein Jahr später, sind sie mit den Antworten von Regierungsrat und Stadtrat zurück in Merenschwand.

Quelle: Andrea Weibel
Die Aarauer Theatergruppe Szenart wanderte zum Gedenken an den Freiämtersturm von 1830 bereits zum zweiten Mal von Merenschwand nach Aarau. von Andrea Weibel
 

Zum Gedenken an den Freiämtersturm, bei dem am 5. und 6. Dezember 1830 zwischen 4000 und 6000 bewaffnete Freiämter nach Aarau marschiert sind, wanderte das Team der Aarauer Theatergruppe Szenart genau vor einem Jahr dieselbe Strecke ab dem «Schwanen» in Merenschwand bis in die Hauptstadt.

Gestern, ein Jahr später, trafen sie sich erneut in Merenschwand. «Letztes Jahr hatten wir geplant, den Marsch auf jeden Fall wieder durchzuführen», sagt Hannes Leo Meier, der künstlerische Leiter von Szenart. «Doch seit damals hat sich so viel verändert, dass wir das einfach nicht geschafft haben.» Vergessen hätten sie den Marsch jedoch nicht. «Mindestens zwei Stunden wollen wir dennoch wandern» – ein symbolischer Sturm auf Aarau also.

Antwort vom Regierungsrat

Genau wie damals die Freiämter, sind auch die Mitglieder von Szenart letztes Jahr mit Petitionen an die Regierung in die Hauptstadt marschiert. Der stellvertretende Staatssekretär Urs Meier und Grossratssekretär Adrian Schmid haben die Anliegen damals entgegengenommen.

Leute von Szenart spielen den Sturm von Merenschwand nach Aarau nach
Quelle: Andrea Weibel

Die Antworten liessen nicht lange auf sich warten: «Auf jede einzelne der fünf Anfragen erhielten wir einen Antwortbrief mit Unterschriften des Stadtammanns oder eines Regierungsrats», freut sich Anna Byland, Produktionsleiterin von Szenart.

Bünztalstrasse erst in 15 Jahren

Unter anderem trugen sie eine Bittschrift eines Freiämters nach Aarau, in der dieser den Verzicht auf den Ausbau der Bünztalstrasse forderte – ein damals sehr aktuelles Thema. Im Brief, der vom damaligen Landammann Peter C. Beyeler unterschrieben worden ist, wird erklärt, dass das Projekt Bünztalstrasse «erst langfristig, das heisst in mehr als 15 Jahren» weiter vorangetrieben werde.

Ausserdem hat Hannes Leo Meier dem Stadtrat vorgeschlagen, Aarau als Wohn- und Lebensstadt von Studierenden und Dozenten der umliegenden Fachhochschulen und Universitäten voranzutreiben. Auf einer ganzen Seite legte der Stadtrat in der Antwort seine bisherigen Anstrengungen dar und erklärte, er «möchte zunächst die bestehenden Gefässe nutzen und ersucht daher verschiedene Gremien, ihren Ideen nachzugehen, sie zu prüfen und sie im Rahmen ihrer Aufgabenbereiche wenn möglich einer Umsetzung zuzuführen». Meier freut sich über die Antworten: «Hier kommt man sich ernst genommen vor. Es hat sich also schon einiges getan, seit die Freiämter vor 181 Jahren nach Aarau gezogen sind», stellt er rückblickend fest.

Szenart hatte mit dem Projekt «Freiamt/Sturm» aber wenig Glück. Obwohl Geschichten und Theater gut ankamen, strich das Kuratorium Aargau der Theatergruppe die Beiträge, was diese an den Rand des Bankrotts trieb. «Das Freiamt haben wir dennoch lieb gewonnen», so Meier.

(az Aargauer Zeitung)