Alper Arslan ist der Kickboxer, den es in der Schweiz in der Gewichtsklasse bis 63 kg zu schlagen gilt. Der 26-jährige schweiz-türkische Doppelbürger hat dreimal in Folge sowohl den Schweizer-Meister-Titel in der Kategorie Light Contact, als auch im Kick-Light (beide bis 63 kg) gewonnen.

Und vor wenigen Tagen kam nun auch noch sein erster nationaler Titel in der Kategorie SCOS Full Contact mit Low Kick (bis 60 kg), der Königsdisziplin des Kickboxens (siehe Infobox), dazu. «Dass ich diesen Titel gewinnen konnte und das erst noch ohne eine einzige Niederlage, hätte ich nicht erwartet. Das bedeutet mir sehr viel», sagt Alper Arslan beim Treffen im Dojo seines Vereins Kickboxing Wohlen, wo er seit acht Jahren unter der Leitung des mehrfachen Weltmeisters Rocco Cipriano und Beat Richner trainiert.

Vor seiner Karriere als Kickboxer hatte sich Arslan als Fussballer versucht. In Seon, wo er aufgewachsen ist, spielte er bei den Junioren. Mit 16 hängte er die Stollenschuhe allerdings an den Nagel. «Ich war nicht besonders gut und hatte keinen Spass mehr», so Arslan, der danach eine Lehre als Automatiker begann und während eineinhalb Jahren keinen Sport mehr trieb.

«Irgendwann wurde mir aber klar, dass es so nicht mehr weiter geht», blickt er zurück. Und so entschied sich Alper Arslan, der seit vielen Jahren ein grosser Kampfsport-Fan war – allerdings «nur als Konsument vor dem Fernseher», wie er sagt – einen Kickboxkurs der Migros Klubschule in Wohlen zu besuchen.

Im ersten Jahr nur Niederlagen

Schon nach dem ersten Training wusste Alper Arslan, dass er seine Traumsportart gefunden hatte. «Das Training war intensiv und ohne Ablenkung. Es ging nur um den Sport. Es braucht viel Disziplin, was mir sofort gefallen hat», so Arslan. Auch heute – acht Jahre nach dem ersten Training – sind es immer noch die intensiven Trainings und die nötige Disziplin, die ihn an seinem Sport faszinieren. Davon, dass er in seinem ersten Wettkampfjahr jeden einzelnen Kampf verloren hat, liess er sich nicht entmutigen. Im Gegenteil: Es spornte ihn an, noch härter an sich zu arbeiten.

Mittlerweile trainiert Alper Arslan bis zu 14 Stunden pro Woche. Er boxt im Dojo, schuftet im Kraftraum und geht Joggen. Auch regelmässige Besuche beim Physiotherapeuten und beim Sportarzt gehören längst zu seinem Alltag. Und auch auf seine Ernährung achtet der 26-Jährige, der seit wenigen Wochen mit seiner Freundin in Dottikon wohnt, sehr genau. «Das ist gerade vor einem Wettkampf sehr hart. Denn ich muss mein Gewicht bis zum Wiegen vor dem Wettkampf auf 60 Kilo runterbringen, muss aber trotzdem fünf- bis sechsmal pro Woche trainieren und eine Topleistung abrufen können. Diese Balance zu finden, ist schwierig.»

Unbeschreibliches Gefühl

Trotz des riesigen Aufwandes, den Alper Arslan neben seinem 100-Prozent-Pensum als Elektrokonstrukteur absolviert, verdient er mit seinem Sport kein Geld. Und auch mit der internationalen Konkurrenz mitzuhalten, die vor allem in Osteuropa von den Verbänden finanziell unterstützt wird und dadurch deutlich mehr trainieren kann, ist sehr schwierig.

Kickboxen: die drei Disziplinen

Neben den unterschiedlichen Gewichtsklassen wird das Kickboxen zusätzlich in drei verschiedene Wettkampfdisziplinen unterteilt: Pointfighting, Light Contact und Full Contact. Beim Pointfighting und dem Light Contact, wo zwischen dem klassischen Light Contact und dem Kick-Light (mit Schlägen auf den Oberschenkel) unterschieden wird, darf der Gegner nicht k. o. geschlagen werden. Es geht darum, möglichst viele Treffer zu landen. Der Kampf findet auf der Matte statt und wird von drei Schiedsrichtern nach einem Punktesystem bewertet. Full Contact ist die Königsdisziplin des Kickboxens. Diese Kämpfe werden im Ring ausgetragen und es gibt die drei Unterdisziplinen ohne Low Kick (klassisch), mit Low Kick (mit Schlägen auf den Oberschenkel) und K1 rules (zusätzlich Kicks mit den Knien erlaubt). In dieser Kategorie kann man ebenfalls nach Punkten gewinnen, es ist aber auch erlaubt, den Gegner k. o. zu schlagen. (fba)

Warum also nimmt Alper Arslan diesen enormen Aufwand in Kauf und opfert praktisch seine ganze Freizeit für den Sport? «Es gibt immer wieder Momente, in denen ich mich das auch frage. Aber das Gefühl nach einem guten Kampf ist einfach unbeschreiblich und entschädigt für alles», so Arslan.

Für ihn ist auch klar: Er will noch lange weiterkämpfen. Im nächsten Jahr möchte er sich vermehrt mit der internationalen Konkurrenz messen und an der Weltmeisterschaft teilnehmen. Danach liebäugelt er mit einem Wechsel zum klassischen Boxen. «Das würde mich sehr reizen», so der Dottiker. Gut möglich, dass sich Alper Arslan dank seiner eisernen Disziplin auch dort durchsetzen wird.