In seiner kernigen Fricktaler Art wusste Josef Waldmeier, wo ultimative Strenge am Platz war, aber auch, wie er bedrängten Menschen, die aus unglücklichen Umständen mit dem Gesetz in Konflikt gerieten, mit der Portion Milde begegnen konnte, die ihm sein Gewissen gebot.

Man nannte ihn «Sheriff»

Waldmeier nahm sein Amt ernst. Er stand unermüdlich im Einsatz. Er besass zwar eine raue Schale, aber im Innersten hatte diese einen weichen Kern. Mit seinem unerschütterlichen Glauben an das Gute im Menschen bewältigte Waldmeier die Härten, die sein Amt unweigerlich mit sich brachte.

Zu seinen Mitarbeitern pflegte er ein ausgezeichnetes Verhältnis, besonders zu seinen beiden Nachfolgern Max Kündig und Heinz Widmer, die bei ihm quasi in die Lehre gingen.

Diese sprechen deshalb mit Hochachtung von ihrem früheren Chef, den man im Volk «Sheriff» nannte. Waldmeier erfüllte seine Pflichten als Bezirksamtmann bis zum letzten Tag. Ende 1991, neun Monate nach seinem 65. Geburtstag, trat er in den Ruhestand.

Nun konnte er seine Leidenschaft für seinen Garten, das Reisen und die Jagd, hier als Treiber und nicht etwa als Jäger, ausleben. Waldmeier genoss das Familienleben zusammen mit seiner Frau Agathe, die ihm der Tod vor Jahren entriss, seinen Kindern und Grosskindern in vollen Zügen.

Er sei im Ruhestand «ruhiger» geworden, bekannte er vor sieben Jahren in einem Interview in dieser Zeitung.

«Ich habe Zeit und Musse gefunden fürs Philosophieren, was mich überrascht hat», erklärte er. Bei passenden Gelegenheiten setzte er sich auch in eine gesellige Runde im «Chäber» in Wohlen und unterhielt die Gäste mit seinen humorvollen und geistreichen Kommentaren.

Immer bereit, zu helfen

Ohne es an die grosse Glocke zu hängen, betreute Waldmeier jahrelang eine Handvoll alter, einsamer Menschen und löste für sie alltägliche Sorgen. Er wird vielen Freunden und Bekannten als senkrechter Bürger in Erinnerung bleiben, der sich immer ein eigenständiges Urteil erlaubte.

Der Abschiedsgottesdienst für Josef Waldmeier findet am Freitag, 24. Mai, um 14 Uhr in der katholischen Pfarrkirche Wohlen statt.