Spritzig hat die Fasnacht im Reussstädtchen begonnen. Laut Stadtrat-Boss Tellenbach ist die eingeleitete Gemeindefusion mit Hermetschwil-Staffeln bloss der Anfang einer Übernahmewelle.

Bremgarten heisse bald «Brähegiwiruzuzü». Das Zungenbrecher-Kürzel bedeutet nichts anderes als: Bremgarten, Hermetschwil, Eggenwil, Fischbach-Göslikon, Widen, Rudolfstetten, Zufikon und Zürich.

«Völlig falsch aufgegleist»

Zusammen mit dem Stadtrat setzten die einheimische Schpitelturmclique und die aus Gontenschwil importierte Guggenmusik Moräneschränzer wohltuende Akzente. Schpitelturm-Stubenmeister Marcel Buchmann klagte den Stadtrat mehrerer Vergehen an.

Die zwei happigsten Vorwürfe: Bei der geplanten Asylbewerberunterkunft – Anfang Mai werden auf dem Waffenplatz Bremgarten 150 Asylbewerber einquartiert – zögen «Bern» und «Aarau» den Stadtrat über den Tisch. Und die an der Referendumsabstimmung gescheiterte Hallenbad-Vorlage habe der liebe Rat völlig falsch aufgegleist.

«Es choschtet und roschtet»

Selbstverständlich wusch der Stadtrat seine Hände in Unschuld. Das regionale Hallenbad «Roschtet und choschtet und choschtet und roschtet», klagte der Rat. Alle wollten baden, duschen, sitzen und in der Sauna wie ein Schwein schwitzen, doch «blechen» wolle keiner.

Dabei bräuchte das Hallenbad ein «Roscht-Moratorium», eine grössere Schönheits-Operation, sonst zerfalle das Gebäude in Kürze. Immerhin dürfe Bremgarten mit einem kleinen «Gnadenbrot» rechnen, mit Betriebsbeiträgen aus benachbarten Gemeinden, wobei die supervornehmen Leute aus O-Lieli und Rottenschwil keinen Rappen lockermachen wollten.

«Nur die SP breitet die Arme aus»

Als vielschichtig und komplex schilderte die Stadtbehörde die Asylbewerberunterkunfts-Problematik. Die Ortspartei SVP wolle die fremden Leute internieren, die CVP geniere sich, die FDP sei dagegen, die BDP nehme keine Stellung und die Gruppierung «Läbigs Bremgarte» setze auf die Armee.

Einzig die SP sage «sie selled nu cho» und mache auf Beziehungs-Kiste. Schliesslich, so die Sozialisten, handle es sich ausschliesslich um ehrliche Leute, vertriebene und abgemagerte, um deren Gesundheit man bangen müsse. Keiner führe Böses im Schilde, weshalb man alle überall im Städtchen flanieren lassen und sie mit Handys ausrüsten müsse.

Radikalvorschlag des Stadtrats: «Asylbewerber und SP gemeinsam zum Demonstrieren nach Bern schicken und in der Bundesstadt bleiben und sesshaft werden.» Selbstverständlich nützten die ausschweifenden Verteidigungsworte der Stadtbehörde wenig. Das 150-köpfige Narrenvolk beim Spittelturm schickte die Stadträte für fünf Tage in die Wüste.

Wienerli, Feuerwerk, Umzug

Am Eröffnungsakt gabs für alle Wienerli, kalte und heisse Getränke sowie ein kleines Feuerwerk. Der Höhepunkt der reussstädtischen Fasnacht folgt morgen Sonntag mit dem grossen Umzug unter dem Motto «Wüeschte-Trip». Startschuss: 13.59 Uhr.