Gnadenthal
Aktualisiert am 07.02.12, um 14:49 von hanna widmer
 

Altes Freiämter Kunsthandwerk belebt

Filigrane Stroharbeiten und viele Besucher im Reusspark Niederwil. hw
«Alles aus Stroh – staunen und ausprobieren». So lockte der Reusspark mit einem spannenden Nachmittagsprogramm, das die vielen Neugierigen definitiv nicht enttäuschte. Es gab einiges zu bestaunen und auszuprobieren. von hanna widmer
 

An mehreren Tischen zeigten die Frauen vom Verein «Stroh in Form» ihr Handwerk.

Eine vorzügliche Gelegenheit, um ihnen auf die geschickten Finger zu schauen. Hinter den Arbeiten stecken sehr viel mehr Zeit und Geschicklichkeit, als man beim Betrachten der wunderschönen Klein- und Kleinstkunstwerke glaubt. Umso schöner also, wenn die Produkte einen angemessenen Ausstellungsplatz bekommen und von zahlreichen Besucherinnen und Besuchern gewürdigt werden.

Strohhalme im Wasserbad

«Die Strohhalme müssen unbedingt nass sein», erklärt eine Strohflechterin, die Bleistifte umwickelt und ihnen so ein ganz spezielles Aussehen verleiht: Nur so seien die Halme auch flexibel genug. Techniken rund ums Stroh gibt es unzählige. Veronica Main, in Fachkreisen so etwas wie die Kaiserin der Branche, hat einen grossen Teil davon gesammelt und im Buch «Zauberhaftes Stroh» zusammengefasst. Tipps und Tricks und allerlei Anleitungen lassen sich dort nachschlagen.

Auch eine Vertreterin des Wohler Strohmuseums war vor Ort: Kuratorin Anna Hegi gab Auskunft und beantwortete Fragen. «Jedes Dorf hatte früher sein individuelles Flechtmuster», sagte sie. Die Oberwiler beispielsweise hätten mit einem dorfeigenen Rösli aufgetrumpft. Aber auch einzelne Familien hätten sich auf ein bestimmtes Modell spezialisiert. Ein dickes Buch zeigte einige hundert Arten von Muster. Im Strohmuseum gibt es noch Tausende mehr.

Tolles Programm für alle

Initiantin Irene Briner freute sich über den Besucherstrom. Ihr ist der Aspekt der Begegnung sehr wichtig. Solche Anlässe würden Plattformen schaffen für den Austausch zwischen «Innen» und «Aussen». So entstehe eine gewisse Nähe zwischen Bewohnern und Besuchern. Mit Herzblut organisiert Briner die «Alte-Handwerk»-Nachmittage. Nach dem Spinnen, dem Drechseln und dem Strohhandwerk werden am nächsten Sonntag im Reusspark Zigarren gedreht. Denn das Gnadenthal war einst eine Tabakfabrik. «Das Zigarrendrehen dürfte auch Männer interessieren», erläutert Irene Briner, die Kulturverantwortliche des Reussparks.

Nicht zuletzt ist altes Handwerk bei älteren Leuten vielfach mit Emotionen verbunden. Bei vielen Senioren kämen viele Erinnerungen hoch, erzählt Briner weiter: «Fast jede Bewohnerin und jeder Bewohner kann eine Geschichte erzählen, wenn es um ein altes Handwerk geht.» Zum Beispiel eine Anekdote über die Mutter, die selbst noch Stroh geflochten hat, oder ein Erlebnis mit der Urgrossmutter oder einer anderen Familienangehörigen.

«Angelhaken für die Erinnerung»

Bei solchen Nachmittagen offeriere man den Bewohnerinnen und Bewohnern einen dieser wichtigen «Angelhaken», der ihnen die Chance gebe, darüber zu reden und zu erzählen «Und es ist immer viel Wertschätzung dabei: Wir bestätigen den älteren Generationen, dass sie etwas Wertvolles taten», sagt Briner weiter. Und nicht zuletzt herrsche an den Nachmittagen eine gute Stimmung.

(az Aargauer Zeitung)
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