Aarau
Aktualisiert am 22.08.11, um 06:35 von Markus Christen
 

Die Markthalle verwandelte sich für einmal in ein Chemielabor

Der Wissensmarkt machte naturwissenschaftliche Forschung der Bevölkerung zugänglich. Aus Anlass ihres 200-jährigen Bestehens veranstaltete die Aargauischen Naturforscher am Samstag in der Markthalle Färberplatz einen Wissensmarkt für die Bevölkerung. von Markus Christen
 

Es ist ein Dilemma: Das Bild einer feuernden Miniatur-Kanone, das könnte dem Leser gefallen, denkt der Journalist. Ja tatsächlich könnte es geeignet sein, den Artikel über den Wissensmarkt der Aargauischen Naturforschenden Gesellschaft (ANG) eindrücklich und übergreifend zu illustrieren. Gleichzeitig hört der Journalist, wie Tobias Mühlethaler, Student der Pharmazie, dazu rät, sich die Ohren zuzuhalten, bevor er die Lunte der Kanone anzündet.

Na, so schlimm wird der Knall wohl nicht sein, denkt der Journalist. Diese Annahme stellt sich jedoch als falsch heraus. Der Knall ist gewaltig. Und das Bild? Nun, das ist nicht zu gebrauchen. Die Momentaufnahme einer dichten Rauchdecke: nichts zu sehen und folglich nichts zu verstehen.

Nicht hinter verschlossenen Türen

Immerhin ist die Erzählung des Kanonenschusses als Gleichnis zu gebrauchen. Denn so, wie ein Grossteil der chemischen Reaktion im Innern der Kanone vonstattengeht und wir nur Rauch und Lärm wahrnehmen können, so beschäftigt sich die naturwissenschaftliche Forschung allzu oft mit Phänomenen, die dem Unkundigen kaum zugänglich sind. Die komplexen Formelfolgen und abstrakten Gedankenexperimente haben für den Laien kaum Aussagegehalt.

Und doch ist es die Forschung, die zu einem grossen Teil unseren Fortschritt lenkt. Deshalb, so die Überlegung der Verantwortlichen der ANG, sollte sie nicht nur hinter verschlossenen Türen stattfinden. Aus diesem Grund und aus Anlass ihres 200-jährigen Bestehens veranstaltete die ANG am Samstag in der Markthalle Färberplatz einen Wissensmarkt für die Bevölkerung.

Halsband mit eigenem Erbgut

An verschiedenen Ständen klärten Naturwissenschafter über die Fragen und Probleme auf, die sich bei ihrer täglichen Arbeit und in ihren Projekten stellen. Viel Wert wurde dabei auf einen möglichst direkten Zugang gelegt.

Der Wissensmarkt ermöglichte eine interaktive Beschäftigung mit der Forschung. Am Stand der Alten Kantonsschule Aarau und der Kantonsschule Wohlen beispielsweise konnte man ein Halsband mit der eigenen DNA basteln. Die Astronomische Vereinigung Aarau ermöglichte das Betrachten von Sonnenflecken.

Viele Stände zum Thema Energie

Heute habe die forschende Arbeit viel von ihrem spielerischen Charakter verloren, sagt Benno Zimmermann, Lehrer an der Neuen Kanti, der Experimente mit Seifenlauge durchführte und die Besucher in Staunen versetzte. Gerade für die Schüler wäre der spielerische Umgang mit der Wissenschaft fördernd.

So sieht es auch Urs Rotach, Lehrer an der Bezirksschule Schöftland. Seine Klasse hat die Zuma-Maschine gebaut. Ein Konstrukt aus der Zukunft, anhand dessen die Möglichkeit von künstlicher Fotosynthese veranschaulicht wird. Auffällig viele Stände am Wissensmarkt beschäftigen sich mit Energiefragen. Damit, wie Energie effizient gewonnen, transportiert und gespeichert werden kann. Es sind drängende Fragen der Gegenwart, und der Wissensmarkt bot eine hochinteressante Chance, die Bevölkerung am Prozess teilhaben zu lassen.

(az Aargauer Zeitung)
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