Optisch erinnern die Strombojen an Flugzeugtriebwerke. Philippe Ramuz, Projektleiter und Geschäftsleiter Netz-Dienstleistungen bei der IBB, ist spürbar begeistert von der «faszinierenden Technologie» sowie der «innovativen und nachhaltigen Wasserkraftnutzung».

Das Potenzial des frei fliessenden Gewässers könne mit diesen Strömungsturbinen auf umweltfreundliche Weise ausgeschöpft werden. Er spricht von kleinen, rund 10 Meter langen U-Booten, die in die Aare gelassen und – alleine durch die Bewegung des Wassers – angetrieben werden. «Sie sind im Fluss versteckt, sichtbar ist nur der Schwimmkörper auf der Oberfläche.»

Installierte Leistung: 420 kWRotordurchmesser: 2,5 mAnzahl Strombojen: 6 StückJahresproduktion: 1 700 000 kWhProjektkosten: 3,5 Mio. FrankenStrombedarf für 425 Haushalte

Die Stromboje: ein Kraftpaket

Installierte Leistung: 420 kWRotordurchmesser: 2,5 mAnzahl Strombojen: 6 StückJahresproduktion: 1 700 000 kWhProjektkosten: 3,5 Mio. FrankenStrombedarf für 425 Haushalte

Rund um die Uhr, das ganze Jahr

Sechs Strombojen zwischen Casinobrücke und Aaresteg sollen über ein Unterwasserkabel an das Netz angeschlossen werden und rund 425 Haushalte mit Strom versorgen. «Der Aufwand ist gering, der Eingriff in den Fluss ist minimal», stellt Ramuz fest.

Eine Befestigung an der Flusssohle genüge. Anders ausgedrückt: Die Installationsdauer sei kurz, für die Verankerung brauche es weder Staumauern, Schleusen noch Dämme. «Die intakte Fluss- und Uferökologie bleibt erhalten und das Landschaftsbild wird nicht verändert», führt der Projektleiter aus. Auch die Wasserqualität werde nicht beeinträchtigt.

«Strom Boje 3» im Einsatz: Bei Hochwasser taucht sie unter und schützt sich so vor grossem gefährlichen Treibgut.

Die Strom-Boje schwimmt immer knapp an der Wasseroberfläche in der stärksten Strömung. Sie richtet sich selbstständig in die strömungsgünstigste Lage. Nur bei Hochwasser taucht sie unter und schützt sich so vor grossem gefährlichen Treibgut.

Der Betrieb der Strombojen sei schonend und geräuschlos, fährt Ramuz fort. Der grösste Teil des Aarewassers fliesse frei neben den Strombojen vorbei. Tiere würden nicht gefährdet, denn die Rotoren seien so langsam, dass die Fische unbeschadet durchschwimmen können. Auch Wassersportler oder Bootführer seien sicher, für sie bleibe noch reichlich Platz. Übrigens: Bei Hochwasser taucht die Stromboje zum Schutz vor Treibgut automatisch ab.

Erfunden worden ist das Strömungskraftwerk für grössere Flüsse in Österreich. Prototypen sind seit rund neun Jahren zu Testzwecken in der Donau in Betrieb. Der Vorteil gegenüber anderen erneuerbaren Energien: Durch konstante Strömungsverhältnisse ist die Stromproduktion stabil – rund um die Uhr, im Sommer und im Winter.

Ein Glücksfall für die IBB

Die Aare bei Brugg direkt vor der Haustür der IBB biete ideale Bedingungen für den Einsatz von Strombojen, erklärt Ramuz. «Sowohl die Fliessgeschwindigkeit als auch Wassertiefe stimmen. Für uns ist es ein Glücksfall. Wir haben diese bestechende Idee deshalb aufgenommen und weiterverfolgt.»

Der Projektleiter räumt ein, dass für das Vorhaben im sensiblen Gebiet im Wasserschloss zahlreiche Hürden genommen, umfangreiche Abklärungen getätigt werden müssen. Die Verfahren seien komplex. «Anders als beim Bau eines herkömmlichen Wasserkraftwerks sind in der Schweiz noch nicht alle Spielregeln bestimmt.»

Die IBB lege viel Wert darauf, offen und transparent zu informieren, betont Ramuz. Studien zu Betrieb, Sicherheit und Umweltaspekten seien durchgeführt worden. Verschiedenen Interessengruppen sei das Vorhaben präsentiert worden.

«Es ist auf breite Zustimmung gestossen», sagt Ramuz. Er freut sich auch über die grosse Unterstützung des Kantons, der Gemeinden Brugg und Windisch sowie des Waffenplatzes Brugg.

Fertigung erfolgt in Österreich

Beim Kanton ist inzwischen ein Konzessionsgesuch eingereicht worden. Trotz positiven Signalen: Weitere Gespräche seien vor dem definitiven Entscheid noch ausstehend, sagt Ramuz. Verlaufe alles planmässig, könne Ende Frühling die Bewilligung erteilt werden. Sobald diese vorliege, werde der Auftrag für die Fertigung der Strombojen in Österreich in Auftrag gegeben.

Ursprünglich sei es das Ziel der IBB gewesen, eine erste Stromboje an der Gewerbeausstellung Expo diesen Herbst präsentieren zu können, sagt der Projektleiter. Dieser Zeitplan sei aber sehr sportlich und es sei fraglich, ob er eingehalten werden könne.

Für die Strombojen wird übrigens mit Kosten von rund 3,5 Mio. Franken und mit einer Lebensdauer von 30 bis 50 Jahren gerechnet. «Erneuerbare Energie, die ohne grosse Eingriffe in die Natur produziert werden kann und am Schluss zahlbar ist, muss genutzt werden», fasst der Projektleiter abschliessend zusammen.