Camira nimmt ein Fussbad. Wuff – was für eine Wohltat bei der Hitze. Dass das Wasser in dem grossen blauen Napf eigentlich als Getränk gedacht ist, stört Camira nicht im Geringsten: Mit allen vieren im kühlen Nass, schlabbert sie drauflos. Denn so ein Tag im Rudel macht ganz schön durstig, ist er doch irgendwie aufregender, als daheim zu Füssen von Herrchen und Frauchen vor dem Sofa zu liegen.

Camira ist ein sieben Monate junges Schäfer-Maitli. An manchen Tagen, wenn ihre Menschen arbeiten müssen, wird sie von ihnen am Morgen früh nach Mülligen in die na, sagen wir «Huta» (wie Kita, aber für Hunde) gebracht und abends wieder abgeholt. Wer weiss, vielleicht macht Camira hier auch mal richtig Ferien – wuff, Badeferien im blauen Trinknapf mit Vollpension, Spiel, Spass und höchst bequemen Schlafgelegenheiten.

Am Anfang war die Vogelgrippe

Im A3-Tierferienplatz Scherer ausserhalb von Mülligen leidet bestimmt kaum ein Vierbeiner lange an Heimweh. Ein Besuch auf dem Gelände macht klar, dass den Vierbeinern dafür kaum Zeit bleibt. Die allermeisten Tages- und Feriengäste verbringen die Tage hier in Rudeln, abgestimmt auf Grösse und Charakter der Tiere. «Meine grosse Leidenschaft ist es, Hunde zu sozialisieren», bekennt Franz Scherer, der den A3-Tierferienplatz zusammen mit seiner Frau Bernadette aufgebaut hat.

Als gelernter Zimmermann sollte der Luzerner einst die Geflügelfarm seines Vaters in Römerswil übernehmen. So lange mochte er nicht warten und so übernahm Scherer 2000 eine Geflügelfarm am Trotteweg in Mülligen zunächst als Pächter, später als Besitzer. «2005 kam die Vogelgrippe und plötzlich waren Hühner nicht mehr gefragt. Da unser Areal gross war und Gehege vorhanden, habe ich entschieden, Tages- und Ferienhunde aufzunehmen.»

Wasseranschluss, Bodenheizung

Aus «bed and breakfast» ist inzwischen ein 5-Stern-Hotel geworden und aus dem Geflügelzüchter ein eidgenössisch diplomierter Tierpfleger. Auf dem Areal hat es unzählige Auslaufmöglichkeiten auf Wiesland. Alles ist blitzblank sauber. «Auf Hygiene legen wir grössten Wert und weil es uns verleidet ist, eimerweise Wasser zu schleppen, hat jedes Gehege jetzt einen eigenen Schlauch und Wasseranschluss. Die Grösse der Gehege können wir problemlos verändern, je nachdem, wie viele Hunde zusammen in ein Rudel passen, oder wenn mal ein ausgesprochener Einzelgänger zu uns kommt.»

Die Hütten innerhalb der Gehege sind mit Sofas und anderen komfortablen Liegegelegenheiten ausstaffiert «und mit Schlupflöchern, sodass die Hunde auch im Winter problemlos ins Freie können». Damit sie sich nachher wieder aufwärmen können, haben alle Hütten eine Bodenheizung.

Das Wohnhaus von Franz und Bernadette Scherer ist an den Tierferienplatz angebaut. Während er in einer Loggia bei Kaffee und Mineral berichtet, begehrt der eineinhalbjährige Mischling Leo nachdrücklich Streicheleinheiten. Auch er ist ein sogenannter Tageshund, während nebenan Ferienhund Bailey, ein heller Tervuren, gierig seinen Durst aus Camiras «Fussbad» löscht.

Während der Sommerferien ist kaum noch ein Plätzchen frei im A3-Tierferienplatz. «Ja, da sollten die Zweibeiner ihre Lieblinge jeweils schon früh anmelden.» Im Gepäck dürfen Impfausweis und Lieblingsfutter nicht fehlen – «wir betreuen jeden einzelnen Hund individuell» – sowie allfällige Medikamente. «Der Kunde schreibt die Bedürfnisse seines Hundes auf und wir sorgen dafür, dass einer beispielsweise regelmässig seine Augentropfen bekommt oder andere je nach Wunsch des Besitzers ein, zwei oder drei Mal am Tag zu fressen.» Dass Bernadette Scherer von Beruf Krankenschwester ist, kommt bei der medizinischen Betreuung sehr gelegen.

Bäbibettchen für Miezen

Während er sich ganz besonders zu Hunden hingezogen fühlt, ist seine Frau eher ein «Katzenmami». 2009 wurde in einem Trakt über den Fellpflege- und Fütterungsboxen ein Katzenhotel eingerichtet. Hier sind die Zimmer liebevoll eingerichtet mit Katzenbäumen, Kuschelkissen, Bäbibettchen. Dazwischen liegen Spielsachen à discretion und vor jedem Zimmer lädt ein kleiner Balkon die Miezen zum Frische-Luft-Schnuppern und Ausschau halten ein.

Nebst dem Ehepaar Scherer und ihrem Sohn Jean-Pierre, auch er ausgebildeter Tierpfleger und Lehrlingsbetreuer, sind im A3-Tierferienplatz je nach Saison bis zu 10 weitere Mitarbeiter beschäftigt, darunter fünf Lehrlinge. «Die Ausbildung zum eidgenössisch diplomierten Tierpfleger dauert drei Jahre, wobei im zweiten Lehrjahr der Entscheid für die Spezialisierung gefällt werden muss: Heimtiere, Wildtiere – also Zoo und Wildpark – oder Labortiere.»

Bei Scherers in Mülligen können übrigens auch Hamster, Kaninchen, Kanarienvögel oder Wellensittiche Ferien verbringen. Und in enger Zusammenarbeit mit verschiedenen Tierschutz-Organisationen warten im A3-Tierferienplatz auch herrenlose Hunde auf ein zu Hause – auf ein Plätzchen für immer.