Brugg
Aktualisiert am 13.02.12, um 08:55 von edgar Zimmermann
 

In Brugg wurde gewaltig «Dampf aufgesetzt und abgelassen»

Bahnpark-Initiant Gregor Tomasi in der Rundlokremise.
Quelle: NN
Es muss damals vor 100 Jahren in und um Brugg gewaltig geraucht und gequalmt haben. Nicht weniger als 57 Dampflokomotiven waren 1912 daselbst beheimatet, über Nacht blieben 29 hier stationiert. von edgar Zimmermann
 

In jenem Jahr wurde deshalb die 1871 und 1892 errichtete Depotanlage um die heute noch bestehende Rundlokremise – jetzt Heimat des Bahnparks – und um ein Dienstgebäude erweitert und die Drehscheibe elektrifiziert.

Dass so viele Loks hier verkehrten, hatte seinen Grund. Gregor Tomasi, Initiant des Bahnparks Brugg, nennt als Hauptgrund die Bözberglinie. Damit die Züge die Steigungen bewältigen konnten, mussten sie mit einer zusätzlichen Vorspann- oder Schiebelok ergänzt werden, die dann in Frick wendete; auch in der Gegenrichtung war diese Verstärkung vonnöten.

Am 17. Juni wird gefeiert

Gleich ein dreifachesJubiläum wird am Tag der offenen Tore am Sonntag, 17. Juni 2012, gefeiert: 100 Jahre Rundlokremise, 100 Jahre Dampflok «Habersack» (gehört SBB Historic) und 120 Jahre Langlokdepot. Von Delsberg wird der legendäre «Gotthard-Elefant» mit vier historischen Wagen nach Brugg dampfen. Ab Brugg kann man Dampflok-Rundfahrten mit der A 3/5 nach Wettingen-Baden Oberstadt-Mellingen-
Othmarsingen-Brugg unternehmen. Ein Shuttle-Zug bringt Besucher vom Bahnhof Brugg zum Bahnpark, wo die stolzen Dampfrösser, Eisenbahnwagen und weitere Ausstellungsstücke besichtigt werden können. Das Jodeldoppelquartett Brugg wird mit Vorträgen erfreuen. Dies nicht ohne Grund: Anno 1915 hatten vorwiegend Bähnler, allen voran Lokführer RudolfStutz und sein Heizer AdolfHaus, im Brugger Lokdepot besagtes Jodeldoppelquartett gegründet - als ersten Jodelclub im Kanton. (NN)

Reservefeuer während der Nacht

Das Brugger Grossdepot war zudem zuständig für die Depots Aarau, Bremgarten, Wettingen, Koblenz und Bülach, das heisst: Auch die dort beheimateten Dampfloks wurden in Brugg gewartet und bei Bedarf repariert. Nicht weniger als 157 Mann Lok- und Depotpersonal standen vor 100 Jahren hier im Einsatz, ein Teil von ihnen jeweils auch nachts. Denn in den Lokomotiven wurde die ganze Nacht hindurch ein so genanntes Reservefeuer unterhalten, damit die Maschinen nicht abkühlten und am Morgen gleich losfahren konnten. Aus 14 Kaminen stieg jeweils der Rauch in die Luft.

Wenige Jahre später zeichnete sich der Niedergang der Dampfära ab. Einerseits führte der Erste Weltkrieg zu einer Verknappung und Verteuerung der Kohle. Anderseits drängte die aufstrebende Elektroindustrie mit Elektroloks auf den Markt, die auch die Bözberg-Rampen problemlos meisterten. 1918 wurde die Weiterentwicklung von Dampfloks in der Schweiz eingestellt, die Elektrifizierung setzte sich durch. Damit verlor die Depotanlage Brugg an Bedeutung.

Geschichte wird wieder lebendig

Gregor Tomasi hatte nach seiner Lehre als Maschinenschlosser 1965 noch selber als Heizer in Dampflokomotiven gearbeitet, bevor er 41 Jahre lang als Lokomotivführer unterwegs war. Er war es, der den Anstoss gab, die nur noch als Lager dienende Rundlokremise neu zu nutzen und darin historische Lokomotiven aufzunehmen. Am 18. April 2006 wurde die «Stiftung Bahnpark Region Brugg» gegründet. Tomasi übernahm das Präsidium. Inzwischen ist die Remise gefüllt, unter anderem auch mit dem Spanischbrötlibahn-Nachbau und einer alten Diesel-Rangierlok. Der Bahnpark ist zu einer Attraktion geworden. Nach und nach füllen sich die Hallen auch mit nostalgischem «Zubehör» aus dem früheren Bahnbetrieb. Tomasi: «Wir sind auf dem Weg zu einem Museum und möchten mit der Zeit feste Öffnungszeiten einführen.» Im Langlokdepot, in dem der Verein Mikado und SBB Historic zu Hause sind, sind weitere Loks, aber auch Eisenbahnwagen, die restauriert werden, einquartiert.

Der Motor der vor 100 Jahren elektrifizierten grossen Drehscheibe hat aufs Jubiläumsjahr hin den «Geist aufgegeben». Die Revision dieser Anlage kostet 177 000 Franken. Der Stiftungsrat ist dankbar für Spenden; er hofft, von Swisslos mit einem namhaften Beitrag unterstützt zu werden, um «das Herzstück unserer Depotanlage zu erhalten», so Tomasi, der sich mit Herzblut, zusammen mit Stiftungsrat und den ehemaligen Lokführern Hans Amstutz und Kurt Bertschi für den Bahnpark engagiert.

Bahnpark Brugger Neujahrsblätter 2012; Spenden: «Stiftung Bahnpark Region Brugg, 5200 Brugg, Konto 60-770933-3.

(az Aargauer Zeitung)
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