Das Smartphone blinkt. Eine rote Wolke leuchtet oben links am Display auf. Die Push-Meldung der Smokesignal-App sagt mir, dass in Villigen bald Papiersammlung ist. Noch ist Zeit, um Schere und Schnur zu packen, damit das Papier rechtzeitig gebündelt ist.

Entwickelt haben den Dienst David Peyer und der Villiger Thomas Federer. Sie sprechen genauso, wie ihre App bedienbar ist: verständlich und einfach. Thomas Federer und David Peyer (beide 30-jährig) werfen nicht mit IT-Fachjargon herum, wenn sie von ihrer Firma, Nanio Inc., erzählen. Die Smokesignal-App haben sie im letzten Jahr entwickelt. Released wurde sie im Juni 2015.

Die App ermöglicht es unter anderem Gemeinden, Vereinen oder Tourismusdestinationen, den Nutzern der App wichtige Informationen zu übermitteln. Gemeinden verschicken zum Beispiel Reminder für die Papiersammlung oder die Gemeindeversammlung; Vereine könnten ihre Fans oder Spieler über Spielverschiebungen oder Resultate informieren; Tourismusdestinationen hätten die Möglichkeit, Updates zum Zustand von Skipisten zu verschicken. Die App – Smokesignal genannt – ist der erste Erfolg des noch jungen Unternehmens. «Für den Namen Smokesignal haben wir uns entschieden, weil er in einem Wort eine Beschreibung des Produkts ist und sowohl national als auch international funktioniert», sagt Federer.

Wir treffen die beiden Informatiker in Villigen. In einem Einfamilienhaus befindet sich in einem Zimmer der Sitz der Firma. Zwei Schreibtische, ein Regal und Computer – das reicht für den Anfang. «Und ist natürlich zum Mieten günstiger», sagt Thomas Federer.

Seit 2012 gibt es Nanio Inc. Begonnen hatte aber alles bereits in der Ausbildung. Thomas Federer und David Peyer machten beide eine Informatiker-Lehre und lernten sich in der Berufsschule kennen. Und beide entschlossen sich nach der Lehre für ein Informatik-Studium. Bereits damals gründeten sie eine eigene Firma, «um einen Nebenverdienst zu haben», wie sie sagen. Sie gestalteten Websites, unterstützten Unternehmen in IT-Fragen, boten IT-Services an. Für das Leben nach dem Studium hatten sie sich aber etwas anderes vorgestellt. «Wir wollten uns auf die Entwicklung von Software konzentrieren», sagt Thomas Federer. «Etwas, das uns herausfordert», ergänzt er. Einen Job annehmen, jeden Tag dieselbe Arbeit machen, das lockte sie nicht. «Wir hatten keine Lust auf einen 08/15-Job», bringt es David Peyer auf den Punkt.

Viel interessanter fanden sie die Verantwortung, die sie nun als Geschäftsführer einer eigenen Firma tragen. «Buchhaltung und Marketing gehören genauso dazu wie die Hauptaufgabe: das Entwickeln von Apps», sagt Thomas Federer. «Stehen wir irgendwo an, müssen wir uns um das Problem kümmern, eine Lösung finden.» Dieses ständige Dranbleiben sei zwar anstrengend, aber so könne man auch niemand anderem die Schuld zuschieben, wenn etwas nicht klappt. Sie schätzen es, unabhängig arbeiten zu können, auch wenn sie pro Woche weit mehr als 42 Stunden arbeiten, manchmal bis spät in die Nacht. Dafür nehmen sie sich durchaus mal an einem schönen Tag frei, um auf die Skipiste zu gehen.

Zurzeit kontaktieren sie die Gemeinden im Kanton Aargau, um ihnen die Smokesignal-App schmackhaft zu machen. Die Gemeinde Villigen machte den Anfang und informiert ihre Bevölkerung seit Mitte 2015 über die App. Vor kurzem entschied sich auch die Gemeinde Oftringen für den Dienst. «Wir haben uns riesig gefreut», sagt Thomas Federer. Es ist ein gutes Zeichen, dass eine Gemeinde mit 13 000 Einwohnern nun ebenfalls auf die App setzt. Weitere Gemeinden befänden sich in der Entscheidungsphase. Dass die Mühlen auf Gemeindeverwaltungen langsamer mahlen, mussten die beiden Informatiker erst lernen. «Die grösste Herausforderung für uns ist der Verkauf, denn das ist nicht unsere Kernkompetenz», sagt David Peyer. Irgendwann möchten sie auch Marketing und Administration in professionelle Hände geben.

Für beide ist klar: Die Firma soll weiter wachsen. Genauso sollen in ihrem Unternehmen nachhaltige Arbeitsplätze entstehen. Auch das Ausbilden von Lernenden könnte in Zukunft ein Thema sein. Smokesignal wollen sie über die Aargauer, ja sogar über die Schweizer Grenzen hinaus bekannt machen. «Die App ist auf der ganzen Welt nutzbar», sind sie überzeugt.