599 Stunden Freiwilligenarbeit wurden vergangenes Jahr bei der Wegbegleitung der katholischen Kirchgemeinde Brugg geleistet. Damit waren es gleich viele Stunden wie im Jahr 2014, jedoch deutlich mehr als 2015, als die Wegbegleitung rund 340 Stunden Freiwilligenarbeit verzeichnen konnte.

Was vor fünf Jahren als Pilotprojekt der reformierten Landeskirche und Caritas Aargau in Brugg begann, ist heute kaum mehr wegzudenken. Die Wegbegleitung hat sich inzwischen einen Namen gemacht, sodass Leute in schweren Situationen sich vermehrt direkt an die Wegbegleitung wenden und immer weniger über das Sozialamt, eine Suchtberatung und andere Institutionen dazu kommen. Dank den positiven Erfahrungen, die man bei der Wegbegleitung Brugg gemacht hat, wurde das Angebot durch die reformierte Kirchgemeinde auch in Birr und in Windisch eingeführt.

Hilfe in schweren Situationen

Die kostenlose Wegbegleitung unterstützt Menschen, die sich in einer schweren Lebenssituation befinden, aus der sie alleine nicht mehr herauskommen. Beispielsweise unterstützte die Wegbegleitung eine Frau, die mit ihrer Familie in das Elternhaus ihres Manns zog. Die Frau wollte die Möbel und Gegenstände, die ihre Schwiegereltern im Haus liessen, weggeben, konnte sich aber nicht davon trennen. Auch von ihrem Mann erhielt sie dabei keine Unterstützung. Deshalb kam die Wegbegleitung ins Spiel, motivierte die Frau und half ihr beim Räumungsprozess.

Ein anderes Beispiel ist das eines Mannes, dessen Frau auszog. Der Mann hatte das Gefühl, er könne nicht kochen, und ernährte sich nur noch von Sandwiches. Die Wegbegleitung fing an, gemeinsam mit ihm zu kochen, zu essen und abzuwaschen. So gab ihm die Wegbegleitung Sicherheit und motivierte ihn dazu, diese Aufgaben künftig selbstständig zu erledigen.

Die Wegbegleitung übernimmt dort, wo es keine professionellen Institutionen gibt. Die Dauer einer Wegbegleitung ist individuell, die bisher längste Begleitung in Brugg dauerte eineinhalb Jahre, die kürzeste einen Monat. Nach fünf Jahren zieht Beatrice Bieri, Leiterin der Wegbegleitung Brugg, eine positive Zwischenbilanz: «Die Erwartungen wurden mehr als erfüllt. Ich wünschte mir, dass das Angebot genutzt wird. Dabei hätte ich mir nicht erträumt, dass nach anfänglich 12 heute 18 Wegbegleiter nötig sind.» Wegbegleiter kann werden, wer eine gewisse Lebenserfahrung mitbringt, also mindestens 30 Jahre alt ist.

Froh um neue Wegbegleiter

Die Freiwilligen bringen unterschiedliches Wissen und unterschiedliche Begabungen mit. Und genau nach diesen Begabungen setzt Beatrice Bieri die Helferinnen und Helfer gezielt ein: «Beispielsweise ein Wegbegleiter, der sehr strukturell funktioniert, wird eingesetzt, um einer Person bei administrativen Dingen zu helfen.» Deshalb ist Beatrice Bieri immer wieder froh um neue Wegbegleiter, die neues Wissen und neue Begabungen mitbringen. Damit ein möglichst breites Spektrum abgedeckt werden kann.

Um die anspruchsvolle Freiwilligenarbeit ausüben zu können, erhält man als Wegbegleiter zunächst einen Einführungskurs. Dann gibt es pro Jahr drei Treffen mit Schulungen, wo sich die Wegbegleiter austauschen und weiterbilden können.