«Die Zeit ist reif» – mit diesen Worten eröffnete eine vom Andrang überwältigte Maddy Hoppenbrouwers von der Permakultur-Regiogruppe Aargau die Permakultur-Tagung an der FHNW in Brugg.

50 bis 80 Gäste haben die Organisatoren erwartet, rund 150 sind gekommen, viele mussten stehen. Sie lauschten deutlichen Worten, zunächst von Thomas Gröbly, Dozent für Ethik am Institut für Geistes- und Naturwissenschaften an der FHNW.

«Wir müssen vorwärts machen», eröffnete er sein Referat zum Thema «Essen der Zukunft». Die Menschheit befinde sich auf einem zerstörerischen Weg, der so nicht mehr gangbar sei, so der Ethiker. «Es braucht ein globales Konzept für globale Solidarität und demokratische Kontrolle unseres Essens.»

Global denken, lokal säen

Gröbly warnte: «Wir wissen nicht, was wir essen, wenn wir Industrienahrung zu uns nehmen. Essen wird so zum Russischen Roulette.» Zudem sei es ökologisch und sozial fatal, dass Lebensmittel nicht mehr dort kultiviert würden, wo sie gegessen werden.

«Das Primat des Profits zerstört Essen, bäuerliche Kultur, Umwelt, Gesundheit und Beziehungen.» Der Ethiker fordert eine «globale Solidarität mit lokaler Verankerung». Es brauche neue, mit Verträgen geregelte Kooperationen zwischen Bauern und Konsumenten.

In der Westschweiz, insbesondere in Genf, ist das Konzept der Vertragslandwirtschaft seit vielen Jahren populär. Und auch in der Deutschschweiz entstehen immer mehr Kooperationen zwischen Landwirten und Konsumenten.

Gemüse-Abos im Kommen

In Gebenstorf etwa bietet Biobauer Michael Köhnke ein Gemüse-Abo an. Und eine Gruppe junger Menschen baut derzeit in Baden eine Kooperation auf; ab Frühjahr sollen die ersten Gemüse-Abos geliefert werden.

Zurück zum Vortrag Gröblys: «Wir sind heute dem Agrarhandel frei ausgeliefert», mahnt er. Das gelte es zu ändern. «Ziel müssen möglichst kleine Abhängigkeiten von Systemen sein, die wir nicht mitgestalten und kontrollieren können».

Dazu bedürfe es einer Kombination nachhaltiger Konzepte und der Erhöhung der Resilienz, der Fähigkeit von lokalen, sozialen und ökologischen Systemen, äussere Störungen fast unbeschadet zu überstehen.

Dazu bedarf es einer gesunden und stabilen Souveränität in den Bereichen des täglichen Lebens wie Energie, Erziehung, Verkehr, Bildung, Bauen, Wirtschaft und eben Ernährung.

«Mär von der Selbstversorgung»

Das mit der Selbstversorgung sei eine Mär, sagte der zweite Referent, Agronom Thomas Baumann. «Wollte sich die Schweiz selbst mit Nahrungsmitteln versorgen, müsste der letzte Flecken intensivst bewirtschaftet werden.»

Baumann führt in Suhr, mitten im Agglomerationsbrei, einen Biobetrieb, die Galegge.

Bevor er zum Thema «Zukunft Landwirtschaft» sprach, reichte er eine Auswahl seiner Produkte zur Degustation – Geissenkäse mit Leinsamenöl, Brot und Apfelchampagner, und sagte: «Die Lebensmittelherstellung wird für uns Bauern in Zukunft weniger wichtig sein als heute.»

Wichtiger würden Dienstleistungen wie Gestaltung und Pflege einer vielfältigen Naherholungslandschaft, Förderung der Biodiversität und des Trinkwassers sowie Umweltbildung.

Seine Vision ist «eine Landwirtschaft, bei der hochwertige Produkte und Ökologie gleichgestellt sind». In der Agglomeration könne sie die Aufgabe eines Stadtparks übernehmen, aus dem auch landwirtschaftliche Produkte kommen, die man vor Ort verarbeitet, veredelt und verkauft.