Es ist kein Zufall, dass die Jubiläumsfeier «250 Jahre Helvetische Gesellschaft» am 18. Februar in Aarau stattfindet. Das Gebiet des Berner Aargaus bot gegen Ende des Ancien Régime den fruchtbaren Rahmen für die Versammlung und Disputation einer Elite, die sich im Sinne der Aufklärung für einen modernen «schweizerischen Patriotismus» starkmachte. Die Wiege dieses Forums stand in Bad Schinznach, an jener Heilung bringenden Schwefelquelle, die 1654 erstmals erwähnt wird und mit ihrer Infrastruktur für eine beschauliche, aber herrschaftliche Kulisse sorgte.
So traf sich bereits 1761 im «Bädli» am Jurasüdfuss und an der Aare ein Freundeskreis um den Basler Ratsschreiber Isaak Iselin, den Zürcher Stadtarzt Hans Caspar Hirzel, den Luzerner Ratsherren Joseph Anton Felix von Balthasar und den Berner Rechtsgelehrten Daniel von Fellenberg. Was locker und informell begann, mündete ein Jahr später in der statutarischen Gründung der Helvetischen Gesellschaft.
Der Obrigkeit ein Dorn im Auge
Die Reihen vergrösserten sich rasch, mit dem Arzt Johann Georg Zimmermann aus Brugg, mit dem Dichter und Künstler Salomon Gessner aus Zürich oder dem Berner Ökonomen Niklaus Emanuel Tscharner, dem späteren Landvogt des Amtes Schenkenberg mit Sitz auf Schloss Wildenstein, erhielt die Sozietät laut dem Historiker Emil Erne «eine über die Landesgrenzen hinausreichende Ausstrahlung». Den weltlichen und geistlichen Obrigkeiten im ausgehenden 18. Jahrhundert waren die fortschrittlich-liberalen Kräfte der Helvetischen Gesellschaft ein Dorn im Auge, obwohl bei den Zielen und Utopien stets die Reform und nicht die Revolution im Fokus stand.
Trotzdem zog sich die debattierfreudige Gründergeneration bald zurück und machte jüngeren Mitgliedern Platz, die Geselligkeit und Plaisir über das ernste Gespräch stellten. Die Pflege der «helvetischen Freundschaft und Eintracht», die nach 1780 auch die französische Schweiz einbezog, blieb nicht ohne politische Wirkung und endete letztlich im Bundesstaat von 1848. Knapp zwei Jahrzehnte nach ihrer Gründung verabschiedete sich die Gesellschaft aus Bad Schinznach und traf sich fortan jeweils Anfang Mai für vier Tage in Olten, von 1795 bis 1797 gar im «Jakobinernest» Aarau. Zwischen 1807 und 1813 fanden auch einige Versammlungen in Zofingen statt, 1819 kehrte man reumütig an den Ursprung, also nach Bad Schinznach, zurück. Es war nicht allein die zentrale geografische Lage des Aargaus, die für die Tagungsorte ausschlaggebend war. Vor allem im Berner Aargau wuchs eine «republikanische Garde» heran, die für ein Untertanengebiet «bemerkenswert» war.
«Deutlicher Fingerzeig»
1792 wählten die Mitglieder den Aarauer Seidenband-Fabrikanten Johann Rudolf Meyer auf den jährlich wechselnden Präsidentenstuhl der Helvetischen Gesellschaft. Für den Historiker Andreas Steigmeier war dies «ein deutlicher Fingerzeig darauf, dass man in aufgeklärten Kreisen einer Untertanenstadt wie Aarau durchaus Ebenbürtigkeit zubilligte». An diese Rolle und den Genius Loci der einstigen Helvetischen Gesellschaft dürfte an der Jubiläumsfeier zum 250-jährigen Bestehen der Sozietät im Kreis der Nachfolgeorganisation, der «Neuen Helvetischen Gesellschaft – Treffpunkt Schweiz» (NHG), Landammann Urs Hofmann erinnern. Er wird an der Feier vom Samstag, 18. Februar, in der Aula der Alten Kantonsschule Aarau eine Grussbotschaft überbringen. Die Jubiläumsansprache hält alt Bundesrat Moritz Leuenberger zum Thema «Die Wiedereinpflanzung erstorbener Tugenden». Den historischen Bogen schlägt mit dem Thema «Republikanismus einst und heute» Hauptreferent Thomas Maissen, den Blick nach vorne richten wird Rainer Schweizer mit seinen Thesen zur Zukunft der NHG.