Freienwil ist ein Handy-Funkloch: In der beschaulichen Gemeinde oberhalb von Baden ist der Handy-Empfang teilweise sehr schlecht. Wenn eine Verbindung zustande kommt, dann ist sie häufig so schwach, dass man die Person, mit der man gerne sprechen würde, kaum versteht. Am ehesten noch können Sunrise-Kunden mit ihrem Handy telefonieren, vor allem Salt- und Swisscom-Kunden müssen sich mit dem guten alten Festnetz begnügen.

Das soll sich nun ändern: Die Swisscom hat ein Baugesuch für eine neue Mobilkommunikationsanlage eingereicht, die zudem mit Antennen von Salt bestückt werden soll. Aufgestellt werden soll die Anlage bei der Sportanlage Maas eingangs des Dorfes. Das Land gehört der Gemeinde, die von den Mobilfunkanbietern mit 8000 Franken im Jahr entschädigt würde. Die Baugerüste stehen bereits, sie zeigen die Dimensionen: Die Antenne wäre rund 25 Meter hoch – und somit das höchste Bauwerk in der 1050-Einwohner-Gemeinde.

Gemeinderat einverstanden

Die Mobilfunkstandorte beim Eichhof in Ehrendingen und beim Rankhof in Lengnau hätten ihre Kapazitätsgrenzen erreicht oder befänden sich zu weit entfernt, begründet die Swisscom ihr Baugesuch.

Doch die Antennen-Pläne stossen auf Widerstand. Der Gemeindeammann höchstpersönlich, Robert Müller, wird eine Einsprache machen. Und dies, obwohl der Gemeinderat grünes Licht für das Projekt gab. Die Einsprache werde er als Privatperson machen, erklärt er. «Der Handy-Empfang in unserem Dorf ist in der Tat ungenügend. Aber mir persönlich ist der Ortsbildschutz sehr wichtig. Freienwil legt viel Wert auf ein attraktives Erscheinungsbild. Die monströse Handy-Antenne gleich beim Dorfeingang widerspricht unseren Grundsätzen des Ortsbildschutzes.» Im Zentrum sei etwa beim Bau des Weissen Windes viel Wert auf den Denkmalschutz und zeitgemässe Integration im Ortsbild gelegt worden.

Drei weitere Standorte geprüft

Verhindert der Gemeindeammann mit seiner Einsprache, dass die Bewohner seines Dorfes endlich mit dem Handy telefonieren oder mobile Daten ohne drahtloses Netzwerk nutzen können? «Ich wünsche mir ebenfalls besseren Handy-Empfang. Hierfür braucht es definitiv eine Antenne. Aber die Dimension der geplanten Antenne an diesem Standort ist alles andere als ideal.»

Das Baugesuch liegt noch bis 1. April in der Gemeindekanzlei auf. Im Dokument sind auch die weiteren Standorte aufgeführt, die die Swisscom für den Bau einer Antenne prüfte. Die Standorte «Hof» an der Alten Lengnauerstrasse sowie «Mehrzweckhalle» seien funktechnisch betrachtet nicht gut gelegen; auch der Standort Mannemaas könne Freienwil nicht gut versorgen, heisst es im Bericht.

Er würde sich wünschen, dass zumindest die Antenne redimensioniert werde, falls kein besserer Standort ausgewählt werden könne, sagt Robert Müller. «Die riesige Antenne wäre das Erste, was man sieht, wenn man von Baden oder Ehrendingen aus ins Dorf gelangt.» Er selber wohne weit von der Antenne weg und sehe sie nicht von seinem Haus aus, er setze sich aber für ein intaktes, kohärentes Orts- und Landschaftsbild ein.

Im 21. Jahrhundert ankommen

Die Antenne ist aktuell das Hauptgesprächsthema im Dorf. «Es ist höchste Zeit, dass auch Freienwil im 21. Jahrhundert ankommt und endlich ein gutes Mobilfunknetz erhält», sagt Beat Widmer. Er könne in seinem Haus nur SMS empfangen, wenn sich das Handy in der richtigen Ecke befinde. SMS empfangen zu können, sei beispielsweise notwendig, um Rechnungen per E-Banking zu bezahlen. «Die Antenne würde doch niemanden stören, sie steht ja ausserhalb des Dorfes», sagt Beat Widmer, der seit rund 20 Jahren im Dorf lebt.