Das wuchtige Ja des Zürcher Kantonsrates zur Limmattalbahn wirkt sich womöglich auf den Aargau aus. Laut Grossratspräsident Markus Dieth wird der Grosse Rat an seiner ersten Maisitzung über den aargauischen Projektbeitrag von 179,5 Millionen Franken an die zweite Etappe Schlieren–Killwangen befinden. Vor allem im aargauischen Limmattal wurde der Zürcher Entscheid positiv kommentiert. Weil der Aargauer Kredit von der grossrätlichen Kommission einstimmig gutgeheissen wurde, wird nun auch ein klares Ja vom Grossen Rat erwartet.

Stadtbahn: Kosten-/Nutzenfrage

Beim Blick in die Zukunft kommt unweigerlich das Thema Weiterführung bis nach Baden auf den Tisch. Die ersten Trasseestudien gehen auf das Jahr 2009 zurück. Laut dem zuständigen Aargauer Regierungsrat Stephan Attiger ist eine Verlängerung der Limmattalbahn in den Raum Baden-Wettingen als langfristige Option als Vororientierung im Richtplan bereits enthalten. Betreffend Linienführung liegen Studien vor, die nun konkretisiert werden sollen; die Arbeiten seien im Gange.

«Zusammen mit den betroffenen Gemeinden und dem Regionalplanungsverband Baden Regio wurden verschiedene mögliche Trasseekorridore und ein Busvorlauf geprüft», erklärt Regierungsrat Attiger. Ein möglicher Fahrplan lässt sich zurzeit höchstens erahnen. Stephan Attiger: «Ziel ist es, dem Grossen Rat zeitnah eine Richtplanfestsetzung und einen Vorprojektierungskredit zu beantragen, sofern ein positives Kosten-Nutzen-Verhältnis erwartet werden kann.»

Die zu erwartenden Trasseekosten für die Weiterführung nach Baden liegen je Laufmeter gemäss Studien gegen 50 Prozent höher als auf dem Abschnitt Altstetten–Killwangen.

Bei der Linienführung stellen sich mehrere Fragen: Einerseits muss die Verlängerung verkehrstechnisch und baulich realisierbar sein. Andererseits soll die Erschliessung möglichst optimale Wirkung haben, damit die Stadtbahn finanzierbar ist. Mit andern Worten: Sie soll möglichst viele Bewohner abholen und an ihre Arbeitsplätze führen.

Die Begehungen vor Ort haben jedoch aufgezeigt, dass die städtebauliche Verträglichkeit eines eigenen Trassees in einem dicht bebauten Siedlungsgebiet eine grosse Herausforderung darstellt. Das ging aus der Antwort des Stadtrates Baden auf eine Anfrage des SP-Einwohnerrates Jürg Caflisch hervor.

Egal welche Linie: Die Platzverhältnisse sowie die topografischen Hindernisse machen auf dem Abschnitt Killwangen–Baden zahlreiche Kunstbauten notwendig. Favorisiert wird von Baden Regio eine Trassierung, die Neuenhof und Wettingen möglichst unter Einbezug deren östlicher Gemeindegebiete erschliesst und in Baden Nord endet. Die Korridore 1 und 4 fallen darum ausser Betracht.

Favorisiert wird die Variante drei. Für die Überquerung der Limmat zwischen Neuenhof und Wettingen stehen zwei Untervarianten zur Diskussion: Brückenschlag beim Stauwehr oder dann parallel zur Autobahnbrücke. Bereits frühzeitig sind die Varianten über Würenlos und westlich der Limmat entlang der Zürcherstrasse nach Baden verworfen worden.

Als grösstes Problem bei allen Varianten erweist sich die Querung der Limmat im Bereich der Hochbrücke in Baden. Ein mögliches Trassee führt zuerst nach Ennetbaden und dann über die Limmat nach Baden, ein anderes hingegen über die Hochbrücke, wo sich auf der gegenüberliegenden Seite das Problem stellt, wie die Stadtbahn dort den Schulhausplatz queren und zum Bahnhof geführt werden soll.

Und nach Baden weiter

Insbesondere Umweltverbände fordern, die Stadtbahn über Baden hinaus zu führen. Der Kanton verspricht: «Die Weiterführung über Baden hinaus wird geprüft», so Stephan Attiger. Weil das Arbeits- und Wohngebiet in Dättwil (Langächer, Täfern, Esp, Galgenbuck) weiter wachsen wird, bleibt die Nutzung der Nationalbahnlinie für eine Stadtbahn ein Thema, wobei eine Stadtbahn auf diesem Trassee bis Fislisbach und Mellingen oder in Richtung Rohrdorferberg nicht vor Inbetriebnahme eines zweiten Heitersberg-Tunnels (Bahn 2030) denkbar ist. Von Umweltverbänden wird ebenso eine Weiterführung ins Siggenthal vorgeschlagen.