Am Roulette-Tisch wechseln sich die roten und schwarzen Zahlen ab. Der Casinobranche sind aber vor allem die roten vertraut: Gemäss dem Schweizer Casino-Verband verlieren die hiesigen Spielbanken seit 2007 jedes Jahr Umsatzanteile von über 300 Millionen Franken – an ausländische Internet-Casinos, an illegale Spielclubs in der Schweiz und an neue Spielhallen im grenznahen Ausland. Auch der Bruttospielertrag des Grand Casino Baden sank 2015 gegenüber dem Vorjahr um 5,6 Prozent auf knapp 62 Millionen Franken.

Zwar könnte der Negativtrend dieses Jahr gestoppt werden – bislang liege der Bruttospielertrag auf dem Vorjahresniveau und die Besucherzahlen lägen gar leicht darüber, sagte der CEO der Stadtcasino Baden-Gruppe Detlef Brose jüngst dem Online-Portal «Schweizeraktien.net».

An einer Änderung der Spielregeln ist Brose, gemeinsam mit dem Casino-Verband, aber natürlich trotzdem interessiert. Der Ständerat hat dessen Forderung, im Internet den Zugang zu illegalen Online-Geldspielen zu sperren, bereits zugestimmt. Gleichzeitig sollen Schweizer Casinos eine Konzession beantragen und damit neu ihre Spiele auch online anbieten können.

250-Millionen-Onlinemarkt

Eine im Auftrag des Bundes erstellte Studie schätzt den zu illegalen Online-Anbietern ins Ausland abfliessenden Spielertrag auf rund 150 Millionen Franken pro Jahr. Das Grand Casino Baden schätzt das Marktpotenzial für das Casino-Online-Gaming gar auf jährlich rund 250 Millionen Franken – und will sich von diesem Kuchen ein Stück abschneiden. Wie gross dieses Stück sein wird, hängt laut Brose von vielen Faktoren ab.

Unter anderem natürlich davon, wie viele Konzessionen vergeben werden und ob der Nationalrat die Konzessionen analog zum Ständerat ausschliesslich den Schweizer Casino-Betreibern zugänglich machen will oder ob auch ausländische Anbieter mitmischen dürfen. «Mit einem Umsatz von rund zehn Millionen Franken in einer ersten Phase wären wir in jedem Fall zufrieden», so der Casino-CEO.

Online geht das Grand Casino Baden bereits im nächsten Frühling. An den digitalen Slotmaschinen und Roulettetischen wird es bis zum Inkrafttreten des neuen Spielgesetzes und der Konzessionsvergaben jedoch kein Geld zu gewinnen geben. «Wir werden vor allem Sachpreise ausspielen und die rund 15 000 Mitglieder unseres Gästeclubs können ohne Einsätze um Punkte spielen, die dann im Casino einlösbar sind», erklärt Brose.

Gewinne wirft dieses Geschäftsmodell natürlich keine ab. Dies, so Brose, sei auch nicht das Ziel. «Wir wollen Erfahrungen sammeln, um dann für die Konzessionsvergabe bestmöglich vorbereitet zu sein.» Zudem seien die Investitionen für das mit einem belgischen Partner entwickelte Online-Casino tief. «Die höchsten Kosten werden dann bei der Eröffnung des konzessionierten Online-Casinos für das Marketing anfallen», sagt der CEO.

Klage gegen Österreich?

Neben diesen Expansionsplänen für die digitale Welt hat die Stadtcasino-Baden-Gruppe weiterhin auch Ambitionen im grenznahen Ausland. Im Fokus stehe vor allem der deutschsprachige Raum, sagt Brose. «Aber auch eine Expansion in andere westeuropäische Länder ist nicht ausgeschlossen.»

Die im Jahr 2014 erhaltene Konzession für ein Casino im Wiener Palais Schwarzenberg ist derweil definitiv vom Tisch, nachdem das Verwaltungsgericht in Wien die Beschwerde eines Mitbewerbers gegen die Vergabe gutgeheissen hat. «In diesem Monat entscheiden wir über das weitere Vorgehen», sagt Brose.

Ein möglicher erster Schritt wäre, die im Zusammenhang mit dem Konzessionsgesuch angefallenen Kosten von rund 4,5 Millionen Euro beim österreichischen Finanzministerium zurückzufordern. Sollte dort keine Einigung erzielt werden, wird die Stadtcasino-Baden-Gruppe eventuell gerichtlich gegen den österreichischen Staat vorgehen. «Nach erster anwaltlicher Auskunft stehen unsere Chancen ganz gut», sagt Brose. «Schliesslich hat die Fehler, die bei der Konzessionsvergabe gemacht wurden, ausschliesslich die zuständige Behörde des
Finanzministeriums zu verantworten.»