Nur als Trostpflaster erhielt die Kantonshauptstadt 2009 das Zentrum für Demokratie Aarau (ZDA). «Die Ernüchterung der Aarauer, dass Brugg/Windisch die Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) erhielt, war riesig», sagt Regierungsrat Alex Hürzeler bei seiner Ansprache.

Nun sind fünf Jahre vergangen, und das ZDA ist heute ein richtiges Juwel: Das Institut zog in dieser Zeit so viele Projekte an Land, dass der Raum in der Villa Blumenhalde bald knapp wurde. «Zeitweise mussten sich fünf Leute einen Arbeitsplatz teilen», berichtet Daniel Kübler, Direktor des ZDA. «In diesen Mauern gab es viele ‹Heureka!›-Momente, doch eine Erweiterung der Villa war unausweichlich.»

Nach über einem halben Jahr Bauzeit ist das 1,3 Millionen Franken teure Werk nun vollbracht: Der Erweiterungsbau bietet Raum für ein Dutzend neue Arbeitsplätze. «Das reicht für schätzungsweise zehn Jahre», sagt Direktor Kübler glücklich. Danach müssten die Verantwortlichen wohl in der Stadt Räume mieten.

Dass die Villa langfristig nicht genügend Platz biete, war von Beginn an klar. So grübelte man schon zwei Jahre nach der Einweihung des ZDA an einem Ausbau. Die Bewilligung folgte im Februar dieses Jahres.

Der grosse Stolperstein: Die Villa ist denkmalgeschützt. Trotzdem strahlte der kantonale Denkmalpfleger Reto Nussbaumer gestern über beide Wangen. «Der Erweiterungsbau ist eine sehr geglückte Sache – auch aus denkmalpflegerischer Sicht», sagt er. Das Architekturbüro Andreas Marti & Partner berücksichtigte den originalen Bau besonders umsichtig.

«Der Ausbau ist ein klares Bekenntnis zum Standort Aarau», so die Stadtpräsidentin Jolanda Urech erfreut. Regierungsrat Alex Hürzeler schloss sich ihr an: «Das ZDA ist mittlerweile ein wichtiger Standortfaktor für Aarau.» Zudem habe die Forschung des Hochschulinstituts eine hohe Relevanz – schliesslich sei das Thema Demokratie aktueller denn je. Momentan forschen rund 50 Mitarbeiter am ZDA; die Mehrheit davon sind Doktoranden der Universität Zürich und der FHNW. Die Schwerpunkte ihrer Forschung bis 2017 liegen mitunter bei der digitalen Demokratie und der politischen Bildung: Wie bringt man etwa einem Oberstufenschüler bei, wie unsere komplizierte Gesetzgebung funktioniert? Bei solchen Fragen beteiligt sich die Pädagogische Hochschule der FHNW.

Mit dem Ausbau des ZDA geht eine Erfolgsgeschichte weiter. «Diese Institution hat eine ungeheure internationale Anziehungskraft», so Otto Wertli, Vorstandsmitglied der Freunde des ZDA.

Beim Referat von alt Bundesrat Moritz Leuenberger platzte der erweiterte Bau ein erstes Mal aus allen Nähten. «Schafft sich die Demokratie selbst ab?» lautete die polemische Frage. Leuenberger verwies auf die Schwachstellen der Demokratie: etwa die Problematik, dass Minderheiten marginalisiert würden.

Dass überdies der Egoismus in Abstimmungen dominiere und dass manchmal verfassungswidrige Vorlagen durchgewinkt würden. «Trotzdem habe ich in meiner Amtszeit nie ein besseres, aber auch kein anspruchsvolleres System als die direkte Demokratie angetroffen», zeigte sich Leuenberger versöhnlich.