Aldi, Lidl, Hornbach und wie sie alle heissen – die Konkurrenz der Grosshändler wird immer grösser und verkauft immer billiger. Das Geschäft der Kleinen ist dadurch zunehmend bedroht. «Noch kann ich vom Gewinn leben», sagt Harry Lienhard. «Doch wer weiss, wie lange noch?» Gemeinsam mit seiner Ex-Frau Ursula Lienhard-Weber ist er Besitzer der Reliko AG, zu welcher die «Schnäppchen-Markt»-Kette gehört. Diese ist für Sparfüchse eine Institution. Restposten und Direktimporte werden zu Tiefpreisen verkauft; die Waren sind meist 30 bis 50 Prozent billiger als im normalen Detailhandel.

Lienhard spricht aus, was viele Kleingewerbler fühlen: «Heute ist die Qualität der Produkte besser, der Gewinn aber ist kleiner. Es ist ein Kampf geworden.» Denn nicht nur die Grosshändler und der zunehmende Online-Handel machen ihm zu schaffen. Was am allerschwersten wiegt, ist der Einkaufstourismus: «Viele Leute kaufen ihren Lebensbedarf in Deutschland», sagt Harry Lienhard. «Das ist tödlich für uns.»

Diebstähle im engen Laden

Aus der wirtschaftlichen Lage haben Harry und Ursula Lienhard die Konsequenzen gezogen. Die seit 17 Jahren bestehende «Schnäppchen-Markt»-Filiale in Beinwil am See wird per Ende Mai geschlossen. Es ist die Ur-Filiale des «Schnäppchen-Marktes»: Warum muss ausgerechnet sie weichen?

Harry Lienhard erklärt: «Die Umstände sind das grösste Problem.» Das Gebäude direkt neben dem Volg an der Hauptstrasse sei miserabel isoliert und geheizt. «Im Winter ist es manchmal nur zwei Grad warm», so Lienhard. Einerseits sei das für die Angestellten unzumutbar, anderseits hielten sich die Kunden nicht gerne im Laden auf. Das Gebäude hatte Lienhard von der Landi gemietet. Eine Sanierung würde mehrere zehntausend Franken kosten. Und das ist noch nicht alles: «Hier wurde viel gestohlen. Der Laden ist eng und unübersichtlich, da war es leicht, etwas in die Tasche zu stecken.»

Nun ist also «gnue Heu dunde». Seit Jahren schon habe er den Gedanken gehabt, die Filiale in Beinwil zu schliessen, sagt Lienhard. «Jetzt aber hadere ich wieder mit dem Entschluss.» Als gebürtiger Böjuer ist Lienhard hier tief verwurzelt; entsprechend schwerfällt ihm der Entschluss. Ein kleiner Trost: Viele Kunden aus Beinwil am See kommen schon jetzt in die Filiale in Hitzkirch LU. In Kriens LU und Littau LU sind weitere Verkaufsstellen: Sie bleiben bis auf weiteres bestehen. Die zwölf Mitarbeiter werden alle weiter beschäftigt.

In Beinwil am See steht nun der grosse Ausverkauf an. «Das Kaufverhalten hat sich stark geändert», sagt Lienhard. So versucht auch er, das Online-Geschäft für sich zu nutzen: Auf der Website werden 4000 Produkte angeboten. «Viele Leute sehen sich die Produkte im Laden an und bestellen dann online», so Lienhard. Allerdings gibt es auch hier ein Konkurrenzproblem: Seine Kunden landen oft auf der falschen Website, weil es im Internet einen zweiten «Schnäppchen-Markt» gibt. Für Lienhard blieb nur die abgewandelte Adresse «Super-Schnäppchen.ch».

Der 62-Jährige ist ein alter Hase im Geschäft. Er hat vor über 30 Jahren die «Wochen-Post» gegründet, ein Brockenhaus geführt und mit der Top-Videothek in Reinach eine der ersten Videotheken in der Region eröffnet.

Bei all diesen Stationen war Ursula Lienhard-Weber dabei. «Auch wenn wir kein Paar mehr sind, geschäftlich hatten wir nie Probleme. Über 35 Jahre haben wir alles gemeinsam aufgebaut», sagt Harry Lienhard lächelnd.