Es sollte ein Feiertag sein im Penny Farthing Pub. Mit dem «Penny Birthday Bash» stieg am Abend des 22. Oktobers 2016 die Party zum 16-jährigen Bestehen des FC Aarau-Stammlokals. Ein Abend also, an dem sich die trinkfeste Stammkundschaft des «Penny» zahlreich im Pub einfand – zu Live-Musik, Gratis-Snacks und einigen Pints Bier.

Darunter war auch der 42-jährige Jakob (Name geändert). Als die Band kurz nach 22 Uhr eine Pause einlegte, juckte es Jakob in den Fingern. Er ging zu den Instrumenten und klimperte ein bisschen darauf herum. Da, so sollte Jakob später aussagen, sei einer auf ihn zugekommen und habe ihn «sehr penetrant» angebrüllt, er solle sofort aufhören. Jakob verlor die Beherrschung und schlug mit der geballten Faust zu. Wahrscheinlich zwei- bis dreimal: Sein Kontrahent trug eine geschwollene Lippe und ein blaues Auge davon.

Im schwarzen Anzug, unter dem an Händen und Nacken mehrere Tattoos zu sehen waren, erschien Jakob vor dem Aarauer Bezirksgericht. Die Anklage lautete auf einfache Körperverletzung. Eine bekannte Situation für den Schweizer: Schon mehrmals war Jakob in Schlägereien verwickelt und seit Juni 2015 nur auf Bewährung auf freiem Fuss. So hing die Bewährungsstrafe von 18 Monaten wie ein Damoklesschwert über ihm.

«Seit dem Vorfall hatte ich keinen schönen Tag», sagte Jakob, «weil ich wusste: Ich gehe dafür wieder ins Gefängnis.» Zudem verlor er Ende März seinen Job – 4700 Franken Lohn im Monat – ebenfalls wegen der Schlägerei im Penny. «Ich habe nicht nur mich selbst, sondern auch meinen Chef und mein Umfeld enttäuscht.» Seither halte er sich von der Öffentlichkeit fern. Zu allem Übel hat Jakob auch noch Schulden: Gerichtskosten von früheren Verfahren und Steuerschulden.

«Soll nicht strafmildernd gelten»

Einzelrichter Andreas Schöb fragte, ob Jakob zu einem Aggressionsbewältigungskurs bereit wäre. «Ja, das bin ich», versicherte Jakob. Allerdings solle dies auf keinen Fall strafmildernd gelten, fügte er etwas scheinheilig hinzu.

Nach kurzer Beratung eröffnete Einzelrichter Schöb das Urteil. Jakob wurde der einfachen Körperverletzung schuldig gesprochen und zu einer unbedingten Geldstrafe von 150 Tagessätzen à 50 Franken verurteilt. Damit setzte Schöb die von der Staatsanwaltschaft ausgesprochene Strafe deutlich herab.

Noch wichtiger aber für Jakob: «Für diesmal genügt das Strafmass, ohne dass die Bewährungsstrafe vollzogen wird», sagte Einzelrichter Schöb zu Jakobs sichtlicher Erleichterung. «Sie müssen momentan nicht ins Gefängnis.» Jedoch werde die Probezeit um zwei Jahre verlängert. Andreas Schöb warnte: «Wenn Sie in dieser Zeit wieder ein Gewaltdelikt begehen, dann heisst es ohne Diskussion: ab ins Gefängnis.»