Seit Ende 2012 ist der Mann Beistand seiner betagten Mutter. In dieser Funktion verwaltet er auch ihr Vermögen, immerhin gut 440 000 Franken. Ein halbes Jahr nach Eintritt der Beistandschaft investierte der Sohn drei Viertel dieses Vermögens in Gold.

Als das Aarauer Familiengericht dies feststellte, rüffelte es den Sohn: Er hätte diese Wertanlage nicht ohne die Einwilligung der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) machen dürfen. Und: Gold sei keine ordnungsgemässe Vermögensanlage im Rahmen einer Beistandschaft. Das Familiengericht Aarau gab dem Sohn einen Monat Zeit, um das Gold zu verkaufen und das Vermögen seiner Mutter vorschriftsgemäss anzulegen.

Es droht ein hoher Verlust

Der Sohn wehrte sich gegen diesen Entscheid vor Obergericht. Dieses gab dem Familiengericht recht, setzte erneut eine Frist an – diesmal zwei Monate, bis zum 31. Juli 2016 – in welcher der Sohn das Gold in eine ordnungsgemässe Wertanlage umzuwandeln habe. Daraufhin wandte sich der Sohn ans Bundesgericht.

Er bestritt gar nicht, dass das Gold anders angelegt werden müsse. Aber die Aargauer Gerichte verlangten von ihm eine «Umwandlung zu Unzeit» – einen Verkauf des Goldes zu einem ungünstigen Zeitpunkt, argumentierte der Sohn. Bei einem Verkauf per 1. Juli 2016 hätte der Verlust über 36 000 Franken betragen, rechnete er dem Gericht vor. Das sind immerhin über acht Prozent des Gesamtvermögens der Mutter.

Das Bundesgericht gab dem Sohn nun Recht. Bei grundsätzlich sicheren Anlagen solle man mit dem Verkauf zuwarten, wenn momentan Verluste drohen. Nur, wenn durch ein Zuwarten die Situation verschlimmert würde und man mit noch gröberen Verlusten rechnen müsse, sei ein «Verkauf um jeden Preis» gerechtfertigt.

«Der Entscheid über den richtigen Zeitpunkt hängt damit von der Beurteilung der Marktentwicklung ab.» Das Obergericht sei in seinem Entscheid bezüglich Fristsetzung zu wenig darauf eingegangen – obwohl es offenbar selber angeführt hatte, eine Vermögensanlage in Gold scheine sich aufgrund der Wirtschaftslage derzeit zu empfehlen. Von einer unsicheren Wertanlage, die einen Verkauf um jeden Preis nahe lege, sei deshalb nicht auszugehen.

Zurück ans Aargauer Gericht

Das Obergericht wird sich nun noch einmal mit dem Fall beschäftigen und eine neue Verkaufsfrist für das Gold ansetzen müssen. Nicht bekannt ist, ob der Sohn das Gold mittlerweile schon losgeworden ist. Anzunehmen ist es aber nicht. Den Jahreshöchstpreis 2016 hätte er Anfang Juli erzielt – notabene genau in der vom Obergericht gesetzten Frist. Mittlerweile ist der Goldpreis wieder deutlich gesunken.