(Anm. d. Red.: Die Rede wurde vom Dialekt ins Hochdeutsch übersetzt)

Und jener Stern, welchen sie im Morgenland gesehen hatten, ging ihnen voraus, bis er über dem Stall stehen blieb, wo das Kind war. (Matthäus Evangelium 2,9)

Liebe Freunde und Angehörige, ihr liebe Trauernden. Unser Leben ist wie eine grosse Geschichte, die man mit jedem Schritt und Atemzug erzählt. Jeder Tag kommt ein Abschnitt dazu und irgendwann wird sie zu einem Ganzen. Aus unendlich vielen, kleinen Erlebnissen, nähen oder stricken oder weben wir unser Kleid, erzählen wir unser Leben.

Geschichten wie diese, die die Grossmutter erzählt: «Da hat mich Dion gefragt», erzählt seine Grossmutter, «ob er mit Simona im Caravan Ferien machen darf – und ich habe gesagt: Natürlich – für das haben wir ihn und es hat mich gefreut, dass sie es gebraucht haben. Und es war alles tip top in Ordnung, nachher.»

Kleine Begebenheiten wie die, welche ihr Lebenspartner erzählt hat, die so viele Partner erzählen würden: «Ich habe Carla am Morgen meistens einen Kaffee gemacht, sie hatte schon vor dem Frühstück Zahlen gewälzt. Es war eine Harmonie am Wochenende und wir hatten schon abgemacht, dass wir den Baum schmücken am Dienstag.»
Da sind unsere kleinen, lieben Geschichten. Und aus diesen gibt es eine Lebensgeschichte.

Und es gibt nichts Schwierigeres für uns, als wenn die Geschichte abbricht oder unterbrochen wird, wenn es eine Zeit gibt, ein Blatt im Buch, ein Stück, das leer bleibt. Die Vorstellung, dass es ein Stück Nichts gibt, ist unerträglich. Darum sind wir heute auch hier, weil uns allen ein Stück Geschichte vom Leben fehlt und wir können es nicht zusammensetzen. Zwei Stunden Nichts und Leere! Da ist die Geschichte zerbrochen von einer ganzen Familie und einer jungen Frau. Die Leere macht unendlich weh. Könnte sie nicht endlich jemand weiter erzählen?

Ich kann die Geschichte nicht einfach weiter erzählen, als Pfarrer, vielleicht haben sie den Anspruch gehabt, dass der Christian hier vorne als gläubiger Mensch Wort findet, die Gott weiter erzählt, wenn wir keine Geschichte mehr finden. Aber das ist so schwer, denn ich finde in diesen zwei Stunden Nichts auch Gottes Wort nicht.
Wissen Sie, als Isaak sein Kind hätte opfern sollen – dieses Bild kommt mir halt immer – da hat er schon sein Messer gezogen… nur ist dann dort ein Engel erschienen und hat gesagt: Nein! Versteht, dass sein «Nein» unsere Geschichte gerettet hat. Aber hier ist er nicht erschienen, kein Engel ist gekommen. – Engel sind ja etwas Gottes Geschichtenerzähler – der Glaube ist schwierig, wenn es still ist. «Nun bleiben Glaube Hoffnung…» (1. Kor. 13, 13) Ich hoffe einfach, dass Gott uns hilft.

Hoffen und Helfen. Carla hat viel Geholfen mit ihrem Sonnenschein.

Ich habe mir gedacht, wir schauen etwas auf die Geschichte von Weihnachten. Es ist ja schliesslich auch in der Weihnachtszeit passiert. Manchmal helfen andere Geschichten, wieder in die Erzählung des Lebens zu kommen. Oder sie zeigen einen kleinen Weg. Wir sind nicht die Ersten, die ihre Geschichte verlieren und Warten als ein Wort gesehen wird, wo es keine Welt dafür mehr gibt. Drei Männer auf der Suche. Ich weiss auch nicht, was ihnen abverlangt worden ist, den Weisen, den drei Königen. Sie hatten auch keinen König mehr gehabt, der sie geführt hat und sie haben darum in den Himmel geschaut und einen Stern gesehen und dieser ist ihnen vorausgegangen. Und sind diesem nachgelaufen, richtungsweisen, mögt ihr euch noch besinnen?

Sie haben nicht nach einer Geschichte gesucht sondern sie haben in ihrer Geschichte, in ihrem Leben eine neue Dimension aufgetan. In den Himmel geschaut. Sie haben nicht nur den Erdweg gesucht sondern auch den Weg in den der Lichter, wohl der erdige, schwierige Weg gegangen sie sind am Schluss nicht in einem Palast sondern in einem Stall, aber sich vom Licht leiten lassen, von den Sternen, von der Poesie. Es gibt zwei Arten von Sprachen um die Geschichte zu erzählen. Es gibt Prosa und Poesie. Das Einte sind die Fakten. Und jedes Faktum muss da sein damit es stimmt. Und das Andere ist die Poesie im Leben, ein Stern ein Sonnenschein über und in allem, was nicht nur nach einem selbst, sondern nachdem wie und dem Glück und der Wärme fragt, wo vorher unendliche Weite über uns und in uns erzählt wird. Und ich sage euch etwas und an das glaube ich, die Poesie hat viel mehr Wahrheit.

Schaut die Steine an. Das meine ich, Kinder, ihr versteht das. Für uns Erwachsene bricht ein schwarzer Meteor, ein vernichtender Klotz voller Nichts mitten ins Dorf und löscht die Schönsten Ziele einer Lebensgeschichte für immer aus und ihr Kinder nehmt den Brocken und sagt: Dieser Stein, das schwarze leere in unserer Mitte ist nicht die Wahrheit. Wahr ist, was wir im Herzen haben. Und dann verwandelt ihr diesen Brocken und legt ihn uns vor die Füsse auf ein goldenes Tuch. Eure Liebe zu Davin hat den Stein lebendig gemacht und Dunkelheit verwandelt. Und wisst ihr war, genau das hätte Davin auch gemacht. Er hatte es von seiner Mutter nie anders gelernt, als dass man die Welt durch Liebe verwandeln kann.

Ja, die Carla. Die Idee, die Gedanken von der Poesie und Prosa sind nicht von mir, sondern ich habe sie aus einem Buch eines Ökonomen. Von Bifi Berardi, der sagt, es brauchte einfach etwas mehr Poesie in der Wirtschaft. Ich sage, es braucht etwas mehr Carlas und Dions in der Arbeitswelt. Als sie von Carla erzählt haben, was für eine unendlich wertvolle Mitarbeiterin sie gewesen ist war und der Hauptgrund dafür, dass sie ein solchen Sonnenschein gewesen war, sie hat gestrahlt und sei immer fröhlich und aufgestellt gewesen und auch wenn sie wahrscheinlich nicht immer gewusst habe, warum, ist es ihnen erst dann wohl gewesen, wenn auch Carla die Entscheidungen gut gefunden hat, denn sie haben gewusst ,sie bringt noch das Bisschen Licht in die Geschichte, das andere manchmal nicht sehen.

Ein Licht von einem anderen Stern? Scheint manchmal ein Licht voller Wunder und Kraft in unser Leben, Glück und Harmonie und Liebe? Und so wie ich gehört habe, hat man auch Dion im Geschäft sehr gern gehabt. Du musst nicht fragen warum – ihr alle wisst es, auch die, die mit ihm bis in alle Nacht unter einem Flutlicht Fussball gespielt haben, wenn es auf dem Platz dunkel geworden ist, hat Dion immer noch gestrahlt und euch noch zum Grillieren eingeladen, zu Hause, beim Sonnenschein.
Aus dem Leben scheint manchmal ein himmlisches Licht aus den Augen der Menschen, der Seele unserer Kinder und das Leben webt uns wieder etwas in die Geschichte, die Schmerz und Trauer etwas erträglich machend. Es ist, als würde uns jemand nehmen und du bist dann ein kleines Stück älter und hast du nur für einen Augenblick den Schmerz vergessen, weil es etwas leichter und etwas heiterer geworden ist, keiner weiss warum. Dann ist ein Stern, ein kurzer Augenblick auf der Erde vergangen, dann sind sie da gewesen, Carla mit den Kindern und Simona und haben etwas von dem Sonnenschein auf unseren Weg gestreut, ganz einfach so aus unserer Erinnerung oder mit den Strahlen der Sterne, die in der Nacht, wenn du den Weg im Dunkeln suchst und zum Himmel schaust etwas heller leuchten als andere.

Sterne sind es gewesen auf der Erde und haben uns geleuchtet und glücklich gemacht. Das ist die wahre Geschichte und die hat nirgends auch nur die kleinste Lücke. Sie hat uns den Weg der Liebe geleuchtet hier auf Erden und es ist der Gleiche Weg, der uns eines Tages, am Ende der Zeit wieder zueinander führt. Und wenn ihr irgendwo vier Sterne seht, die ganz nahe beieinander leuchten, dann könnte es sein…

(Lied «Das isch dr Stern vo Bethlehem»)

«Ich bin mit ihnen aufgewachsen – ich bin traurig, aber auch hässig»: Rupperswil nimmt Abschied von Familie Schauer.

Trauerfeier: 700 Trauergäste haben in Rupperswil Abschied von Carla Schauer (48) und ihren Söhnen Dion (19) und Davin (13) genommen. In einer bedrückenden, bewegenden Trauerfeier sprachen neben dem Pfarrer auch der Gemeindeammann und Davins Klassenlehrerin. 

Gedenkfeier für die Opfer von Rupperswil

Die Trauerfeier von drei der vier Opfer von Rupperswil hat begonnen. Über 500 Personen aus dem näheren Umfeld der Opfer, Mitschüler der Söhne und Bewohner von Rupperswil sind anwesend.

Pfarrer Christian Bühler.

Pfarrer Christian Bühler.