Aarau
Aktualisiert am 14.04.11, um 07:26 von Katja Landolt
 

Notruf 144 – hier zählt jede Minute

Ein Blick in die Einsatzleitzentrale im Kantonsspital Aarau: Hier laufen die Drähte zusammen. Foto: ksc
Heute ist der «Tag der Notrufnummer 144». Bei der Einsatzleitstelle im Kantonsspital Aarau laufen nicht nur die Drähte für sämtliche Notrufe aus dem Aargau zusammen. Teilweise landen hier auch Alarme aus anderen Kantonen. von Katja Landolt
 

«Notruf 144, wo braucht es eine Ambulanz? Können Sie mir die Festnetznummer angeben?» Tastaturgeklapper. «Wann ist er geboren?» Klapper. «Wo wohnt er? Einfamilienhaus oder Block?» Kurze Pause. «Weil er solche Schmerzen hat? Wo hat er Schmerzen?» Klapper. «Also, wir schicken jemanden. Auf Wiederhören.» In der Einsatzleitstelle beim Kantonsspital Aarau zieht Rettungssanitäter Patric Egger die Kopfhörer von den Ohren. Gleichzeitig fährt die alarmierte Ambulanz aus der Garage.

Es ist Dienstagmorgen, kurz vor 10 Uhr. Ein ruhiger Morgen, bisher. Durch die Fenster hört man Vogelgezwitscher und das Rauschen der Bäume. Es gibt bald Regen. Patric Egger und Nicole Kuster haben Telefondienst, die anderen Mitarbeiter des Rettungsdienstes Aarau hantieren draussen mit Putzlumpen und Wischmopp. Sie putzen und kontrollieren ihre Fahrzeuge selber, so ist sicher alles am rechten Ort und die Wartezeit zwischen den Einsätzen sinnvoll genutzt.

Fachpersonen am Notfalltelefon

Bei der Einsatzleitstelle im Kantonsspital Aarau (KSA) laufen nicht nur die Drähte für sämtliche Notrufe aus dem Aargau zusammen. Teilweise landen hier auch Alarme aus anderen Kantonen, die dann weiter geleitet werden. Von hier aus werden die Einsätze auf die im Aargau stationierten Ambulanzen verteilt.

In Aarau stehen tagsüber drei Teams à zwei Mitarbeiter bereit, nachts und am Wochenende sind es zwei. Abwechslungsweise übernehmen sie die Telefondienste. Diese Arbeit wird ganz bewusst von Fachpersonen ausgeübt, die auch das Wissen haben, wie es an einem Unfall oder Notfallort aussieht «Ich muss mir am Telefon ein Bild davon machen können, was im Einsatz passiert», sagt Dani Mustone, Leiterin des Rettungsdienstes Aarau.

Wieder klingelt das Telefon. Noch bevor Patric Egger den Anruf entgegennimmt, weiss er, dank Adresserkennung, dass es sich beim Anrufer um einen Hausarzt handelt. Auf dem Bildschirm leuchtet die Adresse auf und auf einer Karte markiert ein rotes Kreuz den Standort. «Haben Sie die Festnetznummer des Patienten?», fragt Egger als Erstes und nimmt die Angaben entgegen. Es tönt ernst. «Gleich ins KSA, notfallmässig», sagt er und schlägt Alarm. Auf den Monitoren der Überwachungskameras sieht man die Ambulanz aus der Garage steuern, Sirenengeheul dringt durch das offene Fenster.

Ein klarer Kopf und Geduld

Wo sich der Patient befindet, ist die wichtigste Angabe für die Ambulanz. Wird sie über eine Festnetznummer alarmiert, erleichtert dies die Arbeit enorm: Der Standort des Anrufers wird sofort ermittelt. Wird ein Alarm ausgelöst, zeigt das System, welche Ambulanz zuständig oder verfügbar ist. Auf einem Monitor können die Einsatzleiter verfolgen, welchen Status der jeweilige Einsatz hat: 1 für «Einsatz übernommen», 2 für «vor Ort», 3 für «mit Patient unterwegs», 4 für «im Spital», 5 für «einsatzbereit» und 6 für «am Stützpunkt».

Letztes Jahr gingen 47000 Anrufe bei der Einsatzleitstelle im KSA ein, das sind 130 pro Tag. Bei 26000 Anrufen musste die Ambulanz ausrücken, 21000 waren Fehlanrufe; spielende Kinder, falsche Nummer. Doch selbst wenn die Ambulanz ausrückt, handelt es sich nicht zwingend um einen Notfall, sondern beispielsweise um die Verlegungen von Patienten; vom einen ins andere Spital, oder zurück nach Hause. Notfälle haben aber immer Vorrang.

47000 Anrufe sind viel – 1999 waren es noch insgesamt 26500, 15000 davon Ernstfälle. Ob sich die Zahl fast verdoppelt hat, weil die Nummer 144 bekannter wurde, ist fraglich. Die Leute würden heute generell früher die 144 alarmieren, wenn sie verunsichert sind. «Es ist dann die Aufgabe der Disponenten herauszufinden, wo es eine Ambulanz benötigt und wo beispielsweise der Haus- oder Notfallarzt helfen kann», sagt Dani Mustone. Jeder dürfe und solle aber anrufen, wenn er ein medizinisches Problem hat und Hilfe benötigt.

Wer beim Notruf arbeitet, braucht einen klaren Kopf, Geduld und Einfühlungsvermögen. «Es gibt Leute, die schreien nur, obwohl es sich um eine Bagatelle handelt. Und andere sind völlig ruhig, obwohl jemand im Sterben liegt», sagt Mustone. Da gilt es, die Situation schnell richtig zu erfassen. Jede Minute zählt.

Tag der Notrufnummer 144: Heute Donnerstag steht von 10 bis 15 Uhr ein Einsatzteam des KSA in der Igelweid in Aarau mit einem Rettungswagen. Interessierte haben die Möglichkeit, eine «Ambulanz» von innen zu besichtigen und sich ihre Fragen durch Fachpersonen beantworten zu lassen.

(az Aargauer Zeitung)
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