«Uns geht es primär darum, wenigstens die Saison noch vernünftig abzuschliessen», erklärte gestern am späten Nachmittag der Aarauer Stadtrat Hanspeter Hilfiker (FDP). Sie sind bescheiden geworden, die Exponenten der totalrenovierten Kunsteisbahn Aarau (Keba). Was sie befürchtet hatten, ist seit dem Mittwochabend Gewissheit: Die Einsprecher sind am längeren Hebel. Es ist ihnen gelungen, so viel Druck aufzubauen, dass die irrtümlich in der Baubewilligung festgeschriebenen, viel zu kurzen Betriebszeiten eingehalten werden müssen.

«Eine Katastrophe – vor allem für die Jungen»

An einer kurzfristig einberufenen Medienkonferenz am Donnerstagnachmittag verkündeten die Verantwortlichen das Keba-Lichterlöschen. Im Beitrag von «Tele M1» sagen auch Einsprecher, worum es ihnen geht.

«Wir haben da doch nicht über 20 Millionen Franken investiert, um die Öffnungszeiten zu reduzieren», erklärte Beat Rüetschi, Präsident der Keba-Standortgemeinde Suhr. Heinz Leuenberger, seit 2006 Sportchef des Eishockey-Verbundes Argovia Stars, betonte: «Es sind öffentliche Gelder, die da verschleudert werden.» Und Keba-Präsident Heinz Zaugg wies darauf hin, die bisherigen Öffnungszeiten würden seit 1975 gelten.

«Für die Hälfte des Hockeyclubs heisst es Saisonende»: Gedrückte Stimmung beim letzten Training der Argovia Stars

«Tele M1» war am Donnerstagabend in der Keba vor Ort. Diese muss ab Freitag um 16.30 Uhr ihre Tore schliessen.

Weshalb haben sich die Ereignisse innert weniger Tage derart überstürzt? Weil das kantonale Baudepartement in einem Beschwerdeverfahren schneller entschieden hat, als allgemein erwartet worden war. Dabei ging der Keba-Verwaltungsrat als Verlierer vom Eis. Der Kanton hat eine Verfügung des Gemeinderates Suhr gestützt: Es gibt keine aufschiebende Wirkung, ab sofort muss die Halle um 16.30 Uhr geschlossen werden. Eine Beschwerde gegen diesen Entscheid wäre chancenlos und erst noch teuer gewesen.

Impressionen aus der Kunsteisbahn Aarau:

Der Keba-Verwaltungsrat hat sich gestern Nachmittag zu einer Krisensitzung getroffen. Es stand nicht zur Diskussion, den neuesten behördlichen Entscheid zu missachten. Denn die Obstruktion hätte eine Anzeige, im extremsten Fall sogar einen Polizeieinsatz zur Folge gehabt. Auch dem Gemeinderat Suhr war es unmöglich, ein Auge zudrücken. Die Einsprecher hätten eine Aufsichtsbeschwerde eingereicht, was eine Busse in der Grössenordnung von 50 000 Fr. zur Folge gehabt hätte.

Erste Sonderbewilligung erteilt

Der Gemeinderat Suhr bietet aber Hand zu einem einigermassen geordneten Saisonabschluss (ab 19. März hat es kein Eis mehr). Er hat bereits eine erste Sondergenehmigung erteilt: für die Durchführung des Saison-Höhepunktes der Eiskunstläufer, den Aargauer Cup. «Wir sind glücklich, dass wir am kommenden Wochenende wenigstens diesen Anlass veranstalten können», erklärt Marianne Stocker, Vizepräsidentin des EC Aarau. Sonderbewilligungen soll es auch für fünf bis sechs Eishockey-Spiele geben.

Finanzieller Schaden

Das zweite Baugesuch, mit dem der ursprüngliche Planungsfehler ausgemerzt werden soll, scheint auf gutem Weg zu sein. Noch bis zum 10. März kann die Anwältin des Haupteinsprechers ein letztes Mal Stellung nehmen. Danach will der Gemeinderat Suhr entscheiden. «Aus heutiger Sicht werden wir das Gesuch bewilligen», erklärte Gemeindepräsident Beat Rüetschi.

Keba Aarau: Behördenschlamperei? (Tele M1-Beitrag vom 15. Februar 2017)

Seit November ist die neu sanierte Kunsteisbahn Aarau in Betrieb. Wegen einem Planungsfehler drohen der Anlage nun eingeschränkte Öffnungszeiten.

Ob die Einsprecher anschliessend einlenken und das Verfahren nicht weiterziehen? Im Moment deutet wenig darauf hin. Und der Verhandlungsspielraum scheint eh klein zu sein. «Ich sehe keine Reduktion der Betriebszeiten – wir sind derart ausgelastet», erklärt Keba-Präsident Zaugg.

Was den Betrieb in der ersten Saison der neuen Anlage anbetrifft, sei man bisher gut unterwegs gewesen. Doch jetzt gibt es einen finanziellen Rückschlag. Die Keba verliert Einnahmen, weil die Vereine die Eiszeit nicht mehr nutzen können und darum auch nicht mehr bezahlen werden.

Die Keba Aargau feiert grosse Eröffnung (Tele M1-Beitrag vom 20. November 2016)

Zwei Abstimmungen hat es benötigt, bis der Umbau erfolgen konnte. Früher als geplant, feiert die Kunsteisbahn Aarau heute ihre Eröffnung.

Ganz schwierig sind die Zukunftsaussichten für die 1. Mannschaft der Argovia Stars (1. Liga). Falls nicht ein Wunder geschieht und es zu einer schnellen Einigung kommt, wird das Team wohl aufgelöst werden müssen. Sportchef Leuenberger sagte: «Wenn wir in den nächsten fünf bis sechs Wochen nicht Lösungen finden, werden wir von der Bildfläche verschwinden.»

Hier geht es zum Kommentar von Urs Helbling.