Aarau
Aktualisiert am 20.07.11, um 05:23 von Toni Widmer
 

Komponistenklasse testet Glockenspiel

Das Londoner Glockenspiel in der Giessereri in Aarau
Quelle: az Aargauer Zeitung
Wunder dauern etwas länger. Und so steht denn das Glockenspiel, welches 23 Jahre lang über dem Eingang des Swiss Centre in London thronte, immer noch nicht auf dem ins Auge gefassten neuen Platz am Leicester Square. von Toni Widmer
 

Dorthin hätte es nach dem Abbruch des Swiss Centre eigentlich schon 2009 gezügelt werden sollen.

Keine Schuld an der Verzögerung trägt die Aarauer Glockengiesserei Rüetschi, wo die Touristen-Attraktion seit vier Jahren Zwischenstation macht. In Aarau wurden die 27 Glocken – je eine für die 23 Schweizer Kantone, je eine für die Schweiz und Liechtenstein sowie zwei zur Vervollständigung der Tonleiter – einst gegossen. Jetzt sind sie hier revidiert und vor allem neu gestimmt worden.

Spezielle Herausforderung

Für die Firma eine spezielle Herausforderung, wie René Spielmann, Geschäftsleiter und Experte für Glockenklänge, erklärt: «Die neue Installation wird nicht mehr ein Glockenspiel im herkömmlichen Sinn sein, sondern ein Musikinstrument, das völlig neue Perspektiven eröffnet. Entsprechend müssen die Glocken gestimmt sein. Es darf keine Schwebungen im Ton mehr geben.»

Doch nicht nur die Tonqualität der revidierten Glocken verblüfft. Spielmann hat auch besondere Magnethämmer, die ein klangsensitives Spiel zulassen. Über die Anschlagdynamik eines entsprechenden Keyboards angesteuert, ertönen die Glocken auf Wunsch lauter oder leiser. Mit der modernen Technik neu eingespielt werden vorerst jene typisch schweizerischen und englischen Melodien, die während 23 Jahren die Touristen vor dem Swiss Centre erfreuten.

Komponisten an der Arbeit

Dazu kommen neue Klangkompositionen, die unter der Leitung von Frank Sikora, Musikprofessor an der Hochschule der Künste in Bern, und Django Bates, Musikprofessor in London, erarbeitet werden. Studenten der Berner Kompositionsklasse weilten gestern in Aarau, um die Töne der einzelnen Glocken digital aufzuzeichnen. Mit dem vorhandenen Tonmaterial werden sie dann zusammen mit Kolleginnen und Kollegen einer Partnerklasse der Royal Academy in London die geplanten Kompositionen in Angriff nehmen. Laut den Musikstudenten ist das neu aufgebaute Glockenspiel auch live spielbar. So ist es beispielsweise absolut möglich, dieses in eine Komposition für ein Jazz-Orchester einzubauen.

Aufgestellt werden wird die Installation in London voraussichtlich im Oktober. Davon dürfe man nach einer unerwartet langen und intensiven Planungszeit mittlerweile ausgehen, erklärte Urs Eberhard, Vizedirektor von Schweiz Tourismus. Mit dem Glockenspiel montiert werden auch wieder die 23 beweglichen Appenzeller Figuren, die einen Alpaufzug darstellen.

(az Aargauer Zeitung)
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