Die Ramsflue ist eine Anhöhe der Wasserflue auf 704 Metern über Meer. Sie bietet eine prächtige Aussicht, ist bei Wanderern beliebt, weil sie oft über dem Nebel liegt, und sie gilt auch als Ort der Kraft. Und genau dort, wo die Ramsflue am schönsten ist, sollen die beiden Freunde Fritz und Franz (Namen von der Redaktion geändert), an einem Dezembersonntag im Jahr 2015 mit der Motorsäge ohne ersichtlichen Grund reihenweise Bäume gefällt haben. Und das im Privatwald und erst noch völlig dilettantisch.

Zudem gelangten sie nicht zu Fuss auf die Ramsflue, wie das die Wanderer normalerweise tun, sondern sie kamen mit zwei Autos von der Saalhofstrasse her über den schmalen Waldweg und missachteten dabei auch noch sämtliche Fahrverbote. Allerdings hat niemand Fritz und Franz beim Bäumefreveln beobachtet. Aber ein Ehepaar, das regelmässig die Ramsflue erklimmt, tat dies auch an besagtem Sonntag und nahm dabei, je näher sie der Höhe kamen, den Lärm einer Motorsäge wahr.

Der kleine Rastplatz war bereits von Fritz und Franz besetzt; sie sassen um ein mächtig loderndes Feuer, und daneben lag auf dem Waldboden mindestens eine Motorsäge, gab das Ehepaar später zu Protokoll. Nach kurzer Rast zogen die Wanderer weiter. Alsbald hörten sie wieder die Motorsäge. Das kam der Frau doch seltsam vor – und als sie mitten im Wald die beiden abgestellten Autos entdeckte, notierte sie sich die Nummern.

Da sie aber kein Schreibzeug bei sich hatte, ritzte sie die Ziffern mit einem verkohlten Stecken auf einen Stein und steckte diesen in die Jacke. Als die gefällten Bäume kurze Zeit später entdeckt wurden, führten die auf den Stein gekritzelten Autonummern rasch zu Fritz und Franz.

Getrauert, nicht gesägt

Vor dem Bezirksgericht Aarau, wo man sich zur Klärung der Angelegenheit traf, erzählten Fritz und Franz eine ganz andere Geschichte. Entschieden bestritten sie, auf der Ramsflue mit der Motorsäge gewütet zu haben. «Eine Motorsäge? Ich habe in meinem ganzen Leben noch nie eine Motorsäge in der Hand gehalten. Das käme gar nicht gut», versicherte Fritz.

Der Grund für ihre Fahrt auf die Ramsflue sei nämlich ein ganz anderer gewesen. Der plötzliche Tod seines Vaters habe Fritz ziemlich mitgenommen, erzählte Franz. Da habe man sich auf den Berg zurückgezogen, um in aller Ruhe über den Verlust reden zu können. So wie das echte Freunde eben tun.

Die Fahrverbote habe man wegen Nebel und innerer Aufgewühltheit übersehen. Und was das Ehepaar als Motorsäge identifiziert habe, sei keinesfalls eine Motorsäge gewesen, sondern vielleicht ein Radio oder eine Taschenlampe – denn beides habe man mit auf den Berg mitgenommen.

Ja, es sei falsch gewesen, dass sie bei der ersten Befragung angegeben hätten, einander nicht zu kennen und niemals auf der Ramsflue gewesen zu sein, sagten Fritz und Franz reumütig.

Gerichtspräsident Andreas Schöb räumte ein, dass es zwar keine direkten Beweise gebe. Aber er hielt die Aussagen der Zeugen für plausibler und konsistenter als die Rechtfertigungsgeschichten von Fritz und Franz, die zudem zu Beginn des Verfahrens durch ihre Falschaussagen aufgefallen waren. Die beiden wurden schuldig gesprochen wegen Verstössen gegen das Verkehrsgesetz und gegen das Waldgesetz sowie wegen Sachbeschädigung.

Neben bedingten Geldstrafen erhalten sie Bussen von 3000, respektive 2000 Franken. Dazu müssen sie den Schaden von 15 120 Franken übernehmen und ebenso die Verfahrenskosten. Der Weiterzug des Urteils an das Obergericht erscheint wahrscheinlich.