Quirin kratzt sich hinter dem Ohr und reibt sich die Augen aus. Bastian nagt am Kugelschreiber. Caroline beisst sich auf die Lippen und reibt sich die Nase. Es ist kurz nach 9 Uhr in den Physikräumen der Neuen Kanti Aarau. Fünf Gymnasiasten aus der Schweiz und zwei aus dem Fürstentum Liechtenstein sind gekommen, um für die Physik-Olympiade zu üben. Am 11. Juli geht diese in Zürich los.

«You will work on two experiments», sagt Übungsleiter Markus Meier. Caroline – die einzige Frau im Septett – und Bastian kommen aus der französischen Schweiz. Englisch verstehen alle. Zwei Experimente an einem Wochenende: Das klingt nach Arbeit. Zuerst werden die Unterlagen studiert, Helfer zugeteilt. Neben Meier sind dies die ehemaligen Olympioniken Patrick Schwendimann, der seinen Master gemacht hat und nun das Lehramt ansteuert, und Rafael Winkler, Physik-Student.

Aargau ist «wissenschaftsstark»

Dank den früheren Physiklehrern Peter Kaufmann und Alfredo Mastrocola in den 90-er Jahren, Markus Meier und Richard Heimgartner in jüngerer Zeit, ist die Neue Kanti Austragungsort der schweizerischen Ausscheidungen und Übungsanlässe. Wo aber sind die Aargauer Teilnehmer an der Olympiade in Zürich? Richard Heimgartner relativiert: «Henning Zhang von der Kanti Wettingen hat sich als Zweiter qualifiziert, zog es aber vor, an der Mathematik-Olympiade teilzunehmen.» Zudem sei eine Schülerin aus Baden auf den 9. Platz gekommen. Sie versucht es nächstes Jahr wieder.

Der Aargau sei an den Wissenschaft-Olympiaden überproportional stark vertreten, sagt Irène Steinegger-Meier, Co-Geschäftsführerin des Verbands Schweizer Wissenschafts-Olympiaden. Und wie stehen die Chancen der sieben Qualifizierten? Markus Meier weist darauf hin, dass beispielsweise China aus einem grösseren Reservoir schöpfen kann. Zudem würden Talente früher erfasst. Zusammenzüge beschränkten sich nicht auf ein Wochenende. Trotzdem: Seit 1995 hat sich die Schweiz 70 Auszeichnungen, darunter 2 Gold-, 5 Silber- und 18 Bronzemedaillen, verdient.

Apparaturen werden zusammengeschraubt; es wird gemessen, skizziert, gerechnet. Für das Experimentaltraining griffen Markus Meier und seine Kollegen auf Experimente aus früheren Finals zurück, die sie an der Neuen Kanti eingelagert haben. Ins Schwärmen kommen die Experten beim Experiment zum Thema Mikrowellen (Singapur 2006), an dem Quirin sich die Zähne ausbeisst. Sein Trost: Auch Studenten der ETH tun dies.

Hilfreiche Erfahrungen

Nicola, der nach dem Zivildienst in der Bienenforschung im Herbst sein Physikstudium an der ETH anfängt, disloziert für sein Experiment aus dem Bereich Optik in die Dunkelkammer. Und was erwartet man von der Olympiade? «Ich freue mich auf die Experimente», sagt Jannik, «und auf das Erlebnis.» Im Gegensatz zu anderen Ländern, wo auf erfolgreiche Olympioniken der Erlass des Militärdienstes oder ein Uni-Zugang wartet, fehlen in der Schweiz solche Belohnungen für die intensive Beschäftigung mit der Physik.

Oder doch nicht? Rafael Winkler, der mit Markus Meier und einem welschen Kollegen die schweizerisch-liechtensteinische Delegation im Juli betreut: «Ich war froh zu Beginn des Studiums, vieles schon gehört zu haben.»