Ein Rückblick: Vor drei Jahren beschlossen sie, arbeitslos und vorbestraft, inskünftig ihren Lebensunterhalt mit Einbruchdiebstählen zu finanzieren. Davon ist die Staatsanwaltschaft Baden überzeugt. Die fünf Hauptbeschuldigten des Badener Einbrecher-Rings besorgten sich gemäss Anklage auf ihren Touren vorzugsweise Bargeld und Schmuck, liessen aber auch elektronische Geräte und Schusswaffen mitgehen, wenn solche zugegen waren. Gemäss Staatsanwaltschaft verkauften sie einige Schusswaffen weiter – einige behielten sie.

Einbrecher-Ring (Serie 1/4)

Der Badener Einbrecher-Ring hielt die Region während zweier Jahre in Atem. Wie die Tatverdächtigen agierten, was die Opfer durchlebten, wer die gestohlene Ware kaufte und wie der Terror ein fast übernatürliches Ende fand - berührende und spannende Geschichten in der neuen az-Serie. In vier Teilen rollt sie eines der spektakulärsten regionalen Verbrechen der vergangenen Jahre auf. Der Einbrecher-Ring, der 28 Beschuldigte umfasst, erbeutete laut der Staatsanwaltschaft Baden Bargeld und Waren in Millionenhöhe. (mst)

Mit einer Waffe bedroht

Da stellt sich die Frage: Wie gefährlich agierten sie? Bedrohten sie mit den Waffen ihre Opfer? Dem offenbar aggressiven Beschuldigten G.J. wirft die Staatsanwaltschaft tatsächlich Raub und Erpressung vor. In der Anklageschrift steht: «Der unmaskierte Beschuldigte drohte, indem er die Gasdruckpistole auf das Opfer richtete und Bargeld forderte». Der betroffene Mann müsse Todesangst gehabt haben. Diese Szene scheint glücklicherweise ein Einzelfall gewesen zu sein. Grundsätzlich scheuten die mutmasslichen Einbrecher jegliche Konfrontation mit Hausbewohnern. Zur Veranschaulichung: Als sie einen schlafenden Jungen vorfanden, brachen sie die Übung ab und verliessen das Haus. Schnelles Geld war ihr einziges Ziel – und das erreichten sie souverän. Sie erbeuteten Bargeld und Waren im Wert von 1,15 Millionen Franken, wie der Anklageschrift zu entnehmen ist. Den gestohlenen Schmuck verkauften sie offenbar fortlaufend und hauptsächlich einem Händler in Wettingen. Dessen Rolle wird die az-Serie ausleuchten.

Die Polizei tappte zwei Jahre lang im Dunkeln; sie vermutete Kriminaltouristen hinter der Häufung von Einbrüchen. In Tat und Wahrheit soll nur S.B. als Kriminaltourist in die Schweiz gereist sein, die anderen Hauptbeschuldigten wohnten mitten unter ihren Opfern in der Region Baden. Die am Einbrecher-Ring beteiligten Personen arbeiteten also hoch professionell, effizient, spurlos und gleichwohl skrupellos. Ein Beschuldigter schreckte gemäss Staatsanwaltschaft nicht einmal davor zurück, im eigenen Wohnhaus und in jenem Mehrfamilienhaus, wo auch seine Eltern wohnen, einzubrechen.

Ohne Führerausweis zum Tatort

Der zweite Teil der az-Serie wird verraten, weshalb die Tatverdächtigen haargenau gewusst haben mussten, wer zu Hause war und wer nicht. Zum Tatort bewegten sie sich zu Fuss oder häufiger mit dem Auto, mitunter ohne Führerausweis. Einer von ihnen fungierte laut Anklage oftmals als Chauffeur und Aufpasser, obgleich ihm das Strassenverkehrsamt den Führerausweis entzogen hatte. Nichts und niemand konnte das Treiben stoppen.

Es ist nicht abzuschätzen, wie lange der Einbruchterror noch weitergegangen wäre, hätte nicht ein unfassbarer Zufall der Polizei auf die Sprünge geholfen. Die Handschellen klickten vor fast genau einem Jahr. Wie es dazu kam, wird die az-Serie aufdecken.

Der Badener Einbrecher-Ring

Die Beschuldigten verübten laut der Staatsanwaltschaft Baden in unterschiedlichen Formationen rund 80 Einbrüche, die meisten davon im Bezirk Baden. Sie erbeuteten zwischen März 2010 und Februar 2012 Bargeld und Waren im Wert von 1,15 Millionen Franken, überwiegend aus Einbrüchen in Wohn-, aber auch in Geschäftshäuser. Der Sachschaden summiert in 110 000 Franken. Neben den fünf mutmasslichen Drahtziehern umfasst der Einbrecher-Ring 23 weitere Beschuldigte; über 300 Einvernahmen wurden durchgeführt. Die Staatsanwaltschaft hat im Januar Anklage erhoben wegen gewerbs- und bandenmässigen Diebstahls, im Zusammenhang mit Sachbeschädigung und Hausfriedensbruch.


Im Visier sind die fünf Hauptbeschuldigten: Die Serben L.B. (23) aus Untersiggenthal und M.K. (37) aus Baden, die Mazedonier G.J. (32) und S.A. (28) aus Wettingen sowie der eingereiste S.B. (48) mit Wohnsitz in Kroatien. Der zuständige Staatsanwalt Beat Richner verlangt für die fünf Männer unbedingte Gefängnisstrafen von dreieinhalb bis sechseinhalb Jahren. L.B., G.J. und S.B. sitzen nach wie vor wegen Flucht- und Fortsetzungsgefahr in Untersuchungshaft. Der Gerichtsprozess wird im Laufe des Jahres stattfinden. Über Landesverweise befindet das Aargauer Migrationsamt. Es gilt die Unschuldsvermutung.