Aarau
Aktualisiert am 21.02.12, um 14:04 von Sabine Kuster
 

Das Arzthaus von den Nachbarn gelassen empfangen

Robert Klingl ist leitender Arzt. kus
Nicht alle Hausärzte stehen der Eröffnung des «Arzthauses» an der Bahnhofstrasse skeptisch gegenüber. Die beiden Hausärzte vis-à-vis nehmen es gelassen. von Sabine Kuster
 

In der neuen Notfall- und Gruppenpraxis an der Bahnhofstrasse 29 war gestern kaum noch ein Durchkommen: Die Gäste standen am Eröffnungstag dicht gedrängt. Dicht sind auch die sechs Behandlungszimmer, das Labor und das Röntgenzimmer im 1. Stock des ehemaligen Kaffee Merkur angeordnet. Die Flure sind schmal.

Vorerst werden sich die Ärzte aber noch nicht in die Quere kommen: Acht sollen hier einst arbeiten, momentan sind es drei. Robert Klingl ist der leitende Arzt. Der ehemalige Münchner ist seit 11 Jahren in der Schweiz und war Oberarzt des Interdisziplinären Notfallzentrums in Baden.

Entlastung für die Notaufnahme

Klingl sieht das «Arzthaus» vor allem als eine Entlastung der Notaufnahme des Kantonsspitals Aarau (KSA). «Ich glaube nicht, dass wir der Praxis des KSA am Bahnhofplatz Patienten wegnehmen», sagt Klingl, «wir entlasten die Notaufnahme des KSA beide.» Falls es aber nicht genug Notfälle gebe, würden sie sich einfach mehr auf das Grundversorgungsangebot besinnen.

Unter den Besuchern war gestern auch Hausarzt Marcel Buchser. Er arbeitet zusammen mit einem Kollegen in der Sanacare Gruppenpraxis vis-à-vis an der Kasinostrasse 30. Während Barbara Weilenmann, die Präsidentin Vereinigung der Ärzte Bezirk Aarau, Ende Januar das drohende Überangebot in Aarau kritisiert hatte, nahm Buchser die Eröffnung gelassen. Zwar bezweifelt auch er, dass es in Aarau genug Notfall-Patienten gibt für das «Arzthaus» und die Praxis des KSA, doch er sagt, dies tangiere ihn als Hausarzt nicht.

«Die Praxen sind keine Konkurrenz für uns, im Gegenteil: Für die gesunden Jungen, die sich hin und wieder eine Wunde nähen lassen müssen, mag das Modell der unverbindlichen medizinischen Versorgung stimmen. Doch ältere Leute und chronisch Kranke wollen ihre Krankengeschichte nicht jedes Mal einem neuen Arzt erzählen.» Hier gebe es einen grossen Bedarf an Kontinuität.

(az)
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