Unterentfelden
Aktualisiert am 20.02.12, um 06:23 von Fabio Baranzini
 

27 Kilometer lange Materialschlacht im Auftrag der Nagra

Geophysiker Marian Hertrich während der seismischen Messung der Nagra in Unterentfelden. fba
Ein weisser VW-Bus der Nationalen Genossenschaft für die Lagerung der radioaktiven Abfälle (Nagra) steht vor dem Gemeindehaus in Unterentfelden. Verschiedene Karten, Plakate und Informationsbroschüren stehen für die Besucher bereit. von Fabio Baranzini
 

Rund 15 Interessierte haben sich am Samstag kurz nach zehn Uhr eingefunden und folgen den Ausführungen der vier Nagra-Mitarbeiter. «Mit dieser mobilen Ausstellung wollen wir den Leuten die Themen Seismik und Entsorgung näherbringen und ihnen die teilweise vorhandenen Ängste nehmen», erläutert Jutta Lang von der Medienstelle der Nagra die Ziele der Ausstellung, die aufgrund der parallel ablaufenden seismischen Messung in der Region Jura-Südfuss durchgeführt wurde.

Abbild der Gesteinsschichten

Nur wenige Meter daneben, an der Eppenbergstrasse, ist die Messung im Gang. Ein 22 Tonnen schweres Vibrationsfahrzeug steht mitten auf der Quartierstrasse und sendet alle sechs Meter Wellen in den Boden. «Eine seismische Messung funktioniert im Prinzip wie ein Echo», erklärt Geophysiker Marian Hertrich, der die Messung leitet.

Die Wellen werden mehrere 100 Meter tief in die Erde geschickt, prallen an den verschiedenen Gesteinsschichten ab und werden nur Sekunden später wieder an die Oberfläche zurückgeworfen. Dort werden sie von empfindlichen Sensoren, sogenannten Geofonen, aufgezeichnet.

«Dadurch erhalten wir sein sehr genaues Abbild von den Gesteinsschichten im Untergrund und können allfällige Störungen feststellen», beschreibt Hertrich die Funktionsweise der Messung. Eine Störung wäre beispielsweise ein durch starke Belastung herbeigeführter Bruch in einer Gesteinsschicht, was für den allfälligen Bau eines Tiefenlagers ungünstig wäre.

Knapp 8000 Geofone

Seismische Messungen durchzuführen ist mit einem grossen Aufwand verbunden. Vor und hinter dem Vibrationsfahrzeug befinden sich auf einer Strecke von je zwei Kilometern jeweils 330 miteinander verbundene Stationen, welche die von den Gesteinsschichten reflektierten Wellen messen. Da jede Station aus zwölf Geofonen besteht, sind permanent knapp 8000 Geofone im Einsatz. «Rund zehn Personen sind während der Messung damit beschäftigt, die Geofone hinter dem Fahrzeug einzusammeln und vorne wieder zu installieren», erklärt Hertrich.

Doch nicht nur die Messung selbst ist personalintensiv sondern auch die administrative Arbeit im Vorfeld. Jeder betroffene Einwohner wird vorgängig informiert und die Grundstückbesitzer müssen einwilligen, dass auf ihrem Boden Geofone installiert werden dürfen.

Obwohl es sein kann, dass Tassen im Schrank klappern und die Vibrationen der seismischen Messung im dritten Stock wahrgenommen werden, besteht für die Anwohner kaum Gefahr. «Solche Messungen werden seit vielen Jahren durchgeführt und wir sind stets darauf bedacht, sehr vorsichtig zu arbeiten und auf die Infrastruktur Rücksicht zu nehmen», betont Hertrich.

Ergebnisse folgen Ende Jahr

Der Geophysiker hofft, die Messungen in der Region Jura-Südfuss, die sich über eine Länge von 27 Kilometern erstrecken, in zwei Wochen beendet zu haben. In der Folge werden die gewonnen Daten ausgewertet und interpretiert. Ende Jahr rechnet die Nagra mit ersten Resultaten.

(az)
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