Im Januar wurde hier exklusiv der Wortlaut der Initiative bekannt, mit welcher die Apothekerinnen und Apotheker auf Verfassungsebene das heutige Medikamentenverteilsystem festschreiben wollen. Dies als indirekten Gegenvorschlag zu einer bereits eingereichten Ärzte-Initiative, die das geltende Medikamentanabgabeverbot durch Ärzte (ausgenommen natürlich Notfälle und unmittelbare Anwendung) beenden will.
Nahe am Rekord
Am Montag vor einer Woche wurde die Apotheker-Initiative im Amtsblatt publiziert. Seither sind in den Apotheken 24 900 (noch nicht beglaubigte) Unterschriften gesammelt worden! Es fehlt nur noch wenig, damit das Begehren mit der höchsten je erreichten Unterschriftenzahl eingereicht werden kann. Den Rekord hält bisher eine Steuerinitiative von 1949 mit 30 875 Unterschriften.
«570 Arbeitsplätze gefährdet»
Diesen stolzen Zwischenstand nutzte das Initiativkomitee, um in Aarau die Medien über ihr Anliegen zu informieren. Apotheker-Präsident Fabian Vaucher wehrt sich heftig gegen das Argument der Wahlfreiheit, mit der die Ärzte für ihre Initiative werben. In Wahrheit gehe es «um ein egoistisches Eigeninteresse», um eine Einkommensverbesserung der Ärzte, ist Vaucher überzeugt.
Er fürchtet, dass die Apotheken bei Annahme der Ärzte-Initiative einen Umsatzverlust von 80 Prozent hinnehmen müpssten. Das könnte vorab auf dem Land für 50 der über 100 Apotheken, für 70 Apotheker und rund 500 Pharma-Assistent(innen) das Aus bedeuten. Die Strukturprobleme der Ärzte wären aber nicht gelöst, so Vaucher.
Miteinander statt Gegeneinander
Die Gewaltentrennung zwischen Arzt und Apotheker sei bewährt, betont Initiativkomitee-Präsident Rudolf Jost: Der Arzt stellt die Diagnose und verschreibt Medikamente, die Apotheke gibt diese ab und und begleitet mit dem Arzt zusammen die medikamentöse Therapie. «Miteinander statt Gegeneinander» (dies der Titel der Apotheker-Initiative) gehe es auch künftig besser.
Martina Sigg leitet in Schinznach-Dorf eine der vielen Landapotheken, die um ihre Existenz fürchten. Sie legte aktuelle Beispiele ihrer Leistungen vor, die bei Schliessung der Apotheke wegfielen. So kam am Freitag vor Pfingsten ein Asthmatiker, der wegen einer Verschlimmerung nach Meinung der Apotheke Cortison benötigte. Ein Arztbesuch war zeitlich nicht möglich. Telefonisch konnte die Sachlage geschildert und die Therapie abgesichert werden. Auch ein Arzt-Kontrollbesuch nach Pfingsten wurde vereinbart. Alles klappte, und, so Sigg, «so konnte eine teure Notfallbehandlung abgewendet werden».